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„Für mich war sofort klar: Das muss erinnert werden. Würzburg könnte eine Tanzstadt sein.“ Lisa Kuttner spricht begeistert über Rudolf von Labans Wirken in Würzburg und zugleich mit Unverständnis darüber, dass dieses bedeutende Kapitel der Stadtgeschichte fast in Vergessenheit geraten ist. 1926/27 gründete der Pionier des freien Tanzes gegenüber der Residenz eine Akademie, arbeitete als Choreograf am Stadttheater und machte die Stadt zeitweise zu einem Zentrum seiner Ausbildungsarbeit. Kuttner selbst wusste lange nichts davon. Erst bei einer Veranstaltung wurde sie von Wolfgang Klein-Langner, Mitbegründer des Siebold-Vereins, darauf aufmerksam gemacht. Der Grund: Dessen Mutter hatte an Labans Akademie gelernt. Er motivierte die Tänzerin und Choreografin der Geschichte nachzugehen.
Recherchen im Leipziger Tanzarchiv bestätigten schließlich die Bedeutung für die eigene Heimat: In Würzburg fanden Aufnahme- und Abschlussprüfungen statt. „Die Akademie war wirklich groß.“ Als Tanzpädagogin arbeitet Lisa Kuttner seit vielen Jahren mit Labans Bewegungs- und Antriebslehre. Besonders fasziniert sie die Idee des Ausdruckstanzes: nicht vorgegebene Formen nachzuahmen, sondern die eigene Persönlichkeit sichtbar werden zu lassen. „Das ist für mich nach wie vor total inspirierend.“ Labans Ansatz sei auch für Menschen ohne Tanzerfahrung verständlich. „Wir lernen unseren Körper kennen, damit das, was ich spüre, in meiner Bewegung sichtbar werden kann“, erklärt Lisa Kuttner. Schon eine geöffnete Hand oder eine Faust verändere die Haltung des ganzen Körpers. „Alles taucht in dieser Bewegung auf: der Körper, die Gefühle, der Geist und die Gedanken.“
Die Geschichte Rudolf von Labans erzählt jedoch auch von Widerständen. Seine freie Körperarbeit war in Würzburg bald nicht mehr erwünscht. Die katholische Kirche setzte sich nach Kuttners Recherchen gegen sie ein. Für die Choreografin führt dies unmittelbar zu aktuellen Fragen nach Kunstfreiheit, Körperbildern und gesellschaftlicher Kontrolle. „Mit solchen Fragen sind wir heute wieder beschäftigt.“ Künstlerinnen und Künstler müssten sich erneut fragen, wie frei sie sich äußern dürften.
Umso wichtiger scheint ihr Laban-Projekt für Würzburg. Die Premiere findet am 22. Oktober um 19 Uhr im Würzburger Stadtarchiv statt, eine weitere Aufführung folgt am 23. Oktober. Unterstützung erhält Kuttner dabei von Sabrina Zinke, der stellvertretenden Leiterin des Stadtarchivs, die das Projekt von Beginn an unterstützt hat. Am 24. Oktober werden Teile bei der Langen Kulturspeichernacht gezeigt. Aufführungen, Workshops, Buchvorstellungen und eine Dokumentation sollen Labans Werk mit der Gegenwart verbinden. Am 25. Oktober sind schließlich alle eingeladen, gemeinsam in der Stadt zu tanzen. „Wir wollen, dass alle Laien zum Tanzen kommen“, freut sich Kuttner schon jetzt darauf, wieder Bewegung in die Innenstadt zu bringen. Alter und Erfahrung spielen keine Rolle.
Langfristig wünscht sie sich einen regelmäßigen Bewegungschor. Denn Labans Methoden wirken bis heute weiter, etwa in Tanzpädagogik, Theaterarbeit und Sportunterricht. „Er begegnet uns überall, wir wissen es nur nicht...“




