
In vielen Dörfern der Region gibt es keine einzige Bierstube mehr. Keinen Laden. Keine Post. Begegnungsräume werden immer rarer. Dabei ist Begegnung so wichtig! Das jedenfalls finden Conny Morath und Stephan Schmitt vom „Famosen Häuschen” in Karlstadt. Seit Mai 2024 laden die beiden mehrmals im Jahr zu einem „Famosen Küchengespräch” ein. Das fand zunächst direkt im „Famosen Häuschen” statt. Seit die beiden dort wohnen, laden sie an andere interessante Orte in Karlstadt ein.
Wie viele spannende Menschen es in ihrer Heimatgemeinde gibt, hätten die beiden nicht gedacht, bevor das „Famose Küchengespräch” an den Start ging. Bei diesem Event erzählen jeweils drei Gäste ihre Lebensgeschichte. Mindestens einer, so die „Spielregel”, muss aus Karlstadt stammen. Ein oder zwei Gäste werden von außerhalb eingeladen. So war der Ochsenfurter Schauspieler Heiko Schnierer schon zu Gast. Am 29. Oktober findet das nächste „Famose Küchengespräch” statt. Mit John Boyle lernen die Gäste an diesem Abend einen waschechten Australier kennen, der sich in Karlstadt angesiedelt hat. Wie die Eingewöhnung für ihn wohl war? Erzählt jemand aus seiner Lebensgeschichte, kommen bei einem selbst oft Erinnerungen hoch: Ja, so war das auch bei mir! Oder man denkt: Unglaublich, worauf sich andere Menschen einlassen!
Da wäre man selbst im Traum nie draufgekommen. Apropos Traum: Auch Traumreisen bieten Stephan Schmitt und Conny Morath bis zu fünf Mal im Winterhalbjahr an den Volkshochschulen in Karlstadt und Marktheidenfeld an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegen auf Yogamatten und werden von Conny Morath in andere Gefilde entführt: „Wir laufen dabei etwa in Irland, meinem Lieblingsland, am Strand entlang.” Stephan Schmitt begleitet die Traumreise mit sphärischen Klängen auf der E-Gitarre. Vor allem Menschen, die reif für die Insel sind, tun die Konzerte der beiden gut. „Viele kommen gestresst an”, beobachtet Morath.
Gehen diese Besucherinnen und Besucher nach dem Konzert mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause, ist das für sie der schönste Lohn. „Famoser Winterzauber” nennt sich die genussvolle Konzertreihe der beiden. Ende November werden sie damit bei der Sektkellerei Höfer in Würzburg zu Gast sein. Präsentiert wird ein Mix aus bekannten sowie selbstkomponierten und selbstgeschriebenen Songs. Im „Famosen Häuschen” ist keine Aufführung möglich, dazu ist es zu winzig. Musikunterricht wird hier allerdings angeboten. Stephan Schmitt unterrichtet Gitarrenfans im Alter zwischen 6 und 80 Jahren. Conny Morath hat sich auf Stimmtraining und Gesangsunterricht spezialisiert. Wie viele Personen jede Woche im „Famosen Häuschen” ein- und ausgehen und damit dieses ehemalige Armenhaus lebendig halten, sei faszinierend, sagt die Künstlerin. „Jeder ist anders. Jeder inspiriert neu“, so Schmitt: „Auch wir stehen nicht still, wollen uns immer wieder neu erfinden.”




