Betritt man das Galerieschiff Arte Noah im Kulturhafen, sieht man „Badende“ in der Tiefe des Ausstellungsraumes. Sie stehen unter der Dusche, selbstverständlich, selbstbewusst, ganz sie selbst. Naked Truth, die nackte Wahrheit, von Annemarie Faupel ist wörtlich zu nehmen. Die junge Künstlerin, Meisterschülerin von Karin Kneiffel in München, ist fasziniert von der Natürlichkeit alternder Haut. Sie malt nach Fotos, aber nicht fotorealistisch, sondern interpretiert die Wirklichkeit. Und das ist schön, ehrlich und faszinierend. Ihre lebensgroßen Gemälde sind nie voyeuristisch, sondern immer würdigend und würdig.
Zu ihren Modellen hat sie persönliche Beziehungen, baut Vertrauen auf. Ihre Oma Elizabeth saß ihr mit 99 Jahren unbekleidet Modell. Die Würde des Alters erfährt so eine ganz ungesehene Direktheit und Wichtigkeit. Sicher die beeindruckendsten Gemälde. Doch Faupel ist auch politisch. So wie ihre Unbekleideten die Wahrheit und Natürlichkeit des Alterns direkt vermitteln, so kontrastiert sie diese mit in ihren „Candies“ und bunten Foodart-Gemälden.
Eine Künstlichkeit, die moderne Werbung auf’s Korn nimmt: Hochglanz-Verpackung vor Inhalt, Geschmack und Natur. Diese Ausstellung fordert die Betrachtenden heraus, sich mit dem eigenen Selbst auseinanderzusetzen. Eine hochwillkommene Aufgabe zeitgenössischer Kunst.
Noch bis zum 31. Mai donnerstags, freitags, samstags und Pfingstmontag 15 bis 18 Uhr, sonntags 12 bis 18 Uhr im Kulturhafen, Oskar-Laredo-Palatz 1, 97080 Würzburg. Der Eintritt ist frei.
Am 14. und 15. Mai ist die Ausstellung im Rahmenprogramm des Katholikentags zu sehen. Am 16. und 17. Mai ist die Arte Noah nicht im Kulturhafen, sondern nimmt am Kunstfest Artbreit in Marktbreit teil (Mainlände, jeweils 11 bis 18 Uhr)




