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Am Theater am Neunerplatz in Würzburg endet eine Ära. Nach fast vier Jahrzehnten übergibt Sven Höhnke die künstlerische Leitung an Niklas Kremer. Leporello sprach mit ihm über den Wechsel, der weniger Bruch als sanfter Übergang mit „herrlichen Aussichten“ sein will. Vorweg: Niklas Kremer, obschon gerade einmal 22 Jahre jung, weiß um sein Erbe. Sven Höhnke, das betont er gleich zu Beginn, habe das Haus geprägt, optisch wie inhaltlich. Ein Beispiel von vielen: Er brachte das Theater baulich wie technisch so weit voran, dass am Neunerplatz nach großem Bühnenrecht gespielt werden dürfe. Ein Meilenstein, der professionelle Produktionen überhaupt erst möglich machte. Und noch mehr: „Er hat dem Theater seine ganz persönliche Handschrift mitgegeben“, stellt Kremer heraus. Diese Handschrift steht für reduzierte Bühnenbilder, für anspruchsvolle Stoffe, für große musikalische Arbeiten. „Gemeinsam mit Regisseur Erhard Drexler hat er etwa viele Tom-Waits-Produktionen gemacht“, stellt Niklas Kremer heraus. Auch Stücke wie „Alice“, „Das perfekte Geheimnis“ oder „Räuber Hotzenplotz“ seien vielen Theaterbesucherinnen und -besuchern noch präsent. „Er hat hier viel Zeit und Leidenschaft reingesteckt. Das ist bemerkenswert.“
Gleiches gilt ohne Zweifel auch für Niklas Kremer. Er ist mit dem Theater am Neunerplatz aufgewachsen. Seitdem er sechs Jahre alt war, stand er dort auf der Bühne, zunächst im Kinder- und Jugendclub. Nach einem Umzug nach Hamburg kam er als Teenager zurück, arbeitete einige Jahre vor und hinter der Bühne als Techniker, Autor und Regisseur und stand auf selbiger auch als Darsteller unter anderem als Hauptdarsteller im Musical in „Neverland“ (Leporello berichtete). Im Grunde, erinnert er sich lebhaft „war ich für alles zuständig und kenne den Neunerplatz heute aus dem FF“. Kein Wunder also, dass es einem „gemeinsamen Prozess“ glich, als Höhnke begann, über seinen Ruhestand nachzudenken. „Er meinte, wenn er das macht, dann nur mit mir“, erzählt Kremer. Es folgten viele Gespräche, über Inhalte, Verantwortung, Zukunft. Das Ziel: „Dann gehen wir jetzt den Weg des Übergangs gemeinsam.“
Was nun bleibt und sein wird, ist bewusst gesetzt. Das Kindertheater soll, ganz im Sinne des Theatergründers Thomas Heinemann, wieder stärker werden, ergänzt durch Workshops und Angebote für Schulen. Vertraute Regisseurinnen und Regisseure, wie Britta Schramm, Erhard Drexler oder Martin Maria Eschenbach bleiben dem Haus verbunden. Auch ästhetisch bleibt vieles anschlussfähig. „Ich mag Svens Stil, Bühnen zu bauen sehr“, sagt Niklas Kremer. Neu wird vor allem die technische Ebene im Neunerplatz. „Aufwendig programmierte Zusätze zu einem Stück“, wie Licht- oder Sound-Effekte sorgen künftig für noch rundere Inszenierungen. Dazu eine klare Öffnung Richtung Musical: „Das ist meine Leidenschaft“, so der junge Kulturschaffende. Seit Jahren reist Kremer regelmäßig nach London, sieht sich dort neue Produktionen an. Diese Inspiration bringt er mit nach Franken. „Es wird jedes Jahr eins geben“, verspricht er. Ergänzt werden die Spielpläne durch Konzerte, Weihnachtsshows und auch Kabarett. „Es bleibt vieles ähnlich. Es wird aber auch vieles anders sein“, so sein Fazit, das Raum für Veränderung in sich birgt.
Natürlich bringt die Übergabe des „Staffelstabs“ auch einen gewissen Druck mit sich. „Das Publikum sieht jetzt natürlich ganz genau hin“, ist sich Kremer bewusst. „Es wird ein sanfter Übergang“, verspricht er (nicht nur) den treuen Weggefährtinnen und -gefährten. Am Ende steht für Niklas Kremer ein Wunsch im Raum: Musicals niederschwelliger zu machen, in Würzburg, jenseits großer Häuser. „Wenn man es möglich machen könnte, diese auf einer größeren Fläche zu erschwinglichen Preisen für viele Menschen zugänglich zu machen, das wäre schön.“ Den Rückenwind für seine Vorhaben scheint er schon jetzt zu haben. Oder wie es eine Zuschauerin nach einer Vorstellung ihm gegenüber formulierte: „Sie erhalten die Herzlichkeit und das Menschliche weiter. Nur machen Sie es etwas lauter...“




