In der Stadtbücherei Würzburg startet am 27. September der Literarische Herbst

von red (erschienen in Ausgabe 9/2018)

Am 27. September startet die Stadtbücherei ­Würzburg in ihren traditionellen ­Literarischen Herbst.

Mit Karen Duves so lakonischem wie gnadenlos sezierendem Roman über die junge Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und die Welt der letzten Romantiker, die deutsche Märchen sammelten, während die gute alte Ordnung um sie herum zerfiel, startet der diesjährige Literarische Herbst in der Stadtbücherei Würzburg am 27. September.

Fräulein Nette ist eine Nervensäge! Dreiundzwanzig Jahre alt, heftig, störrisch und vorlaut, sie ist das schwarze Schaf, das nicht in die Herde ihrer adligen Verwandten passen will.

Während ihre Tanten und Cousinen brav am Kamin sitzen und sticken, zieht sie mit einem Berghammer bewaffnet in die Mergelgruben, um nach Mineralien zu stöbern.

Wenn die Künstlerfreunde ihres Onkels August nach Bökerhof kommen, über Kunst und Politik sprechen, mischt sie sich ungefragt ein.

Ein Enfant terrible ist Annette von Droste-Hülshoff, wohl aber nicht für alle. Heinrich Straube, genialischer Mittelpunkt der Göttinger Poetengilde, fühlt sich jedenfalls sehr hingezogen zu der Nichte seines besten Freundes.

Seine Annäherungsversuche im Treibhaus der Familie bleiben durchaus nicht unerwidert. Allerdings ist er nicht der einzige. Was folgt ist eine Liebeskatastrophe mit familiärem Flächenbrand.

Entlang so zentraler Stichworte wie „Reisen, Treiben, Bleiben, Schreiben“ erzählt Hanns-Josef Ortheil am 2. Oktober die Entstehungsgeschichte seiner zuletzt erschienenen Bücher „Der Typ ist da“ und „Was ich liebe und was nicht“. Vertieft werden seine kuriosen und überraschenden Erzählungen aus dem Stegreif durch Kurzlesungen aus diesen Werken.

Die exklusive Textprobe aus dem im November 2018 erscheinenden Buch „Die Mittelmeerreise“ bildet den Höhepunkt des Abends.

Im heißen Sommer des Jahres 1967 geht Hanns-Josef Ortheil zusammen mit seinem Vater auf große Fahrt. Sie führt auf einem schwer beladenen Frachtschiff von Antwerpen durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer und weiter bis nach Griechenland und Istanbul.

Mit an Bord ist – vom Steward über den Funker bis zum Kapitän – ­eine ganze Gesellschaft im Kleinen. Und auch die Angst fährt im Bauch dieses Ungetüms aus Eisen und Stahl, das auf hoher See in schwere Stürme gerät, beständig mit.

In ihrem ganz eigenen Ton erzählt Kirsten Fuchs am 16. Oktober in ihrem Buch „Signalstörung“ von unserer Gegenwart und erfasst wie nebenher das Wesentliche, was einem so im Leben geschehen kann.

Es geht um die Liebe, um Abschiede, um Berlin und um die ganze Welt, die Sauperle, die uns irgendwer vor die Füße geworfen hat.

Da spielen ein Junge und ein Mädchen Fußball auf den Färöer Inseln und merken fast gar nicht, wie sie sich ineinander verlieben. Ein Vater bekommt einen Herzinfarkt, während seine Tochter versucht, auf dem Balkon eine Spinne zu retten.

Ein Typ wacht mit seinem Fahrradschloss um die Hüfte auf, reimt sich die letzte Nacht zusammen und ist für immer von Kneipen kuriert…

Über die Lesungen im November berichten wir im nächsten Leporello.

INFO: Die Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr im Lesecafé der Stadtbücherei im Falkenhaus. Einlass ab 19.15 Uhr. Karten sind über die Stadtbücherei erhältlich.

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