Museum Georg Schäfer zeigt bis 15. August umfassende Schau prachtvoll illuminierter Werke

von Renate Freyeisen (erschienen in Ausgabe 6/2018)

Mit farbigen Bildern berühmter Künstler sein Heim zu schmücken, das war zu Zeiten, als es noch keine perfekten Drucke gab, selten möglich.

Deshalb beauftragten ab Ende des 15. Jahrhunderts vermögende Kunstliebhaber begabte Koloristen, Grafiken, etwa von Dürer, farbig zu „illuminieren“.

Diese Kunst der Illuminirung (damals ohne Dehnungs-e-!) leitet sich her von der Ausschmückung der Initialen, also der Anfangsbuchstaben bedeutender Schriften und kostbarer Bücher.

Ab etwa 1493 wurde es Mode, Kupferstiche und andere Grafiken wichtiger Künstler, die wiederum der Verbreitung der Originale dienten, mit feinen Pinseln und teilweise teuren Farb-Pigmenten für die „Augenergötzung“ zu illuminieren.

Malerische Effekte

Im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt findet nun die weltweit erste umfassende Schau dieser kunstfertig ausgestalteten Blätter unter dem Titel „Prachtvoll illuminirt“ statt.

Bis zur Erfindung der Chromolithografie wurde diese Kunst der farbigen Ausgestaltung etwa 400 Jahre gepflegt.

Erst danach konnte man befriedigende malerische Effekte auch im Druckverfahren erzielen. Die Tätigkeit der Koloristen war im Grund speziell aufgeteilt: Frauen illuminierten bevorzugt naturkundliche Blätter mit Abbildungen von Fauna und Flora; am berühmtesten unter ihnen war Sibylla Merian mit ihren Töchtern.

Von ihr sind handkolorierte Blätter mit Insekten und Schmetterlingen zu sehen.

Männer illuminierten Landschaften, biblische Szenen und Ähnliches. Mit Aquarell und Gouache wurden aus Schwarz-Weiß-Drucken farbigen Gemälden ähnliche Bilder.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur bei wissenschaftlichen Werken, etwa über Pflanzen, Vögel oder Fische, auf naturgetreue Farbigkeit geachtet wurde, bei Städtedarstellungen, die ohnedies nicht genau waren, etwa bei Merian oder in der Schedelschen Weltchronik, oblag die Farbgebung z. B. von Dächern der Erfindungsgabe des Koloristen.

Solche schönen prachtvollen Blätter wurden übrigens extra angefertigt und erst später in die zugehörigen Bücher eingebunden.

Farbige Genauigkeit war bei Wappen unerlässlich. Neben den „einfachen“ schwarz-weißen Grafiken gab es mit ungenauen Schablonen gefertigte farbige Drucke und die von Hand farbig kolorierten, teuren „Fürstendrucke“.

Dass mit solcher Illuminierung auch richtige „Gemälde“ entstehen konnten, zeigt die durch den Koloristen Hans Thomas Fischer illuminierte Szene „Christus begegnet dem Hauptmann von Kapernaum“ des Kupferstechers Nicolaes de Bruyn.

Im 18./19. Jahrhundert fand die Illuminierung ihren Höhepunkt bei „romantischen“ Landschaftsdarstellungen, Blättern mit Mode, Jagdszenen, Schilderungen von Schlachten, Darstellungen von Uniformen – wobei hier die Farben nicht verwechselt werden durften! – und schließlich in Karikaturen.

Über 200 für die Entwicklung des Handkolorits wichtige Werke kann der Besucher bis 15. August bestaunen.

Bildnachweis: Kunstsammlungen der Veste Coburg

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