Hiroyuki Masuyama mit Welt/Reise/Zeit bis 4. November im Museum im Kulturspeicher zu Gast

von Renate Freyeisen (erschienen in Ausgabe 9/2018)

In 13 Jahren ist dieses 33 Meter lange Fotopanorama aus 6000 Bildern geschaffen worden.Wer derzeit die Sonderausstellung des Würzburger Museums im Kulturspeicher betritt, sieht sich umgeben von einer üppig blühenden Wiese mit kleinen Wassertümpeln.

Der in Düsseldorf lebende Hiroyuki Masuyama, geb. 1968 in Japan, hat das 33 Meter lange, hinterleuchtete, wandhohe Fotopanorama „Flowers“ in 13 Jahren aus 6000 Fotos geschaffen und entführt damit die Besucher in eine Welt der Schönheit, umfängt sie mit dem überwältigenden Gefühl, mitten in der Natur zu stehen.

Nahtstellen und Übergänge sind praktisch nicht zu erkennen, wer aber genau hinsieht, entdeckt, dass da Blumen blühen, die aus verschiedenen Jahreszeiten stammen oder an verschiedenen Orten wachsen.

Alles scheint real, ist es aber als Gesamtheit nicht. Ähnliches enthalten die „Blumensträuße“, Fotos auf spiegelnden, wabenartigen Flächen, aufgezogen auf Holz; die einzelnen Segmente ergeben zusammengesetzt je einen Blumenstrauß; doch der ist wiederum keine Momentaufnahme, sondern erfasst alle Stadien vom Aufblühen bis zum Verwelken.

Der Blick in das Vergehen von Zeit und Raum beschäftigt den Künstler auch bei der Betrachtung des Universums.

So hat er eine große begehbare Kugel aus kleinen Holzstückchen gebaut; wer hineinkriecht, meint, er sehe den gesamten Sternenhimmel vom Nord- bis Südpol; möglich machen dies 30000 winzige beleuchtete Löcher, die exakt das Firmament nachzeichnen.

Auch auf einer Riesenwand soll der Betrachter den nächtlichen Himmel nacherleben; der Mensch davor fühlt sich klein, und gleichzeitig wirkt das Ganze geheimnisvoll meditativ.

Ein ­schmales Panoramabild von 27 Metern im nächsten Raum, aus 7500 Einzelbildern während eines Flugs rund um die Erde entstanden, soll einen Eindruck von der Erde und ihrer Weite von oben vermitteln.

Zeit und Raum zu überwinden, versucht Masuyama auch, wenn er sich berühmte Maler-Vorbilder fotografisch aneignet: So vollzog er die Reisen von William Turner von England nach Italien nach, indem er dieselben Orte und Standpunkte für seine Fotos wählte und seine Bilder über die des verehrten Romantikers legte.

INFO: Bis 4. 11., www.kulturspeicher.de

Bildnachweis: Jörg Hejkal ©Hiroyuki Masuyama

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