Bewegliche Kunst bis 22. April im Museum im Kulturspeicher

von eva (erschienen in Ausgabe 3/2018)

Gerhard von Graevenitz‘ zweiseitiges Spielobjekt entstand im Jahre 1965.In den aufrührerischen Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam so viel Bewegung wie selten zuvor in die Gesellschaft - aber auch in die Kunst. Und das im wörtlichen Sinne.

Hingen Gemälde bis dahin starr an der Wand und standen Skulpturen stabil im Raum, so dachte eine (überschaubare) internationale Gruppe von einzelnen Künstlern darüber nach, veränderbare Werke zu entwerfen, die dem bisher passiven Konsumenten ein (begrenztes) Mitgestaltungsrecht einräumten.

Das einmalige, ewige gültige Kunstwerk sei tot - hieß es -, genauso wie seine elitären Schöpfer.

Es lebe die Kunst, die aus der Kommunikation - wie im Spiel - entsteht! Aus dem Vokabular der geometrischen Abstraktion schufen Künstler und bemerkenswert viele Künstlerinnen Bilder und Objekte mit variablen Teilen und Modulen, die vom Betrachter umarrangiert und vielfältig neu gruppiert werden konnten/sollten.

Nicht nur ein Stück Kunstgeschichte, auch ein Stück Zeitgeschichte kann in der Ausstellung „Spielräume – Kunst die sich verändern lässt“ – entstanden in Coproduktion mit der Landesgalerie Linz – im Kulturspeicher Würzburg entdeckt werden.

67 Werke von 47 KünstlerInnen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien, den Niederlanden und Brasilien, vornehmlich aus Privatbesitz, zeigen, wie sich „Kunst“ aus ihrem starren Schema löste, zur Interaktion und zur Teilnahme einlud.

Nur: Heute ist bei ihnen, wie stets im Museum, natürlich „Berühren verboten“. Wie die Idee, sind die Objekte in die Jahre gekommen und dementsprechend sensibel.

Fotos, einige Filme und ein paar benutzerfreundliche Repliken helfen den Besuchern, den Spieltrieb zu sublimieren.

Bildnachweis: Nachlass von Gerhard von Graevenitz

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