14 unterfränkische Museen tauschen noch bis 5. November ihre Kunst

von Petra Jendryssek (erschienen in Ausgabe 9/2017)

Soviel Austausch war noch nie. Im siebten Jahr des immer mehr an Strahlkraft gewinnenden Ausstellungsprojektes „Kunst geht fremd“ kann ein neuer Rekord aufgestellt werden: 14 Museen aus Unterfranken tauschen noch bis 5. November untereinander ausgewählte Kunstwerke, die an den neuen Ausstellungsorten in einem veränderten Kontext auf ganz unterschiedliche Weise wirken können.

Die diesjährige Klammer ist das Motto „Kunst geht fremd ... und dreht ab“. Die Kunststätten verlieren jedoch nicht etwa die Beherrschung oder ändern gar ihren Kurs, nein, sie tauschen Objekte, die sich ganz sprichwörtlich oder im übertragenen Sinne drehen, die in irgendeiner Form abgedreht sind oder auf diese Weise hergestellt wurden.

Wild und Jäger jagen sich rund um einen Glaskelch aus dem 2. Drittel des 18. Jahrhunderts, Menschenmassen geraten auf dem Triptychon „Heinrich Böll“ des Hammelburger Malers Robert Höfling in Panik, während ein Fastnachtspaar in den Kostümen des Tanzpaares Ingrid und Alfred Schieler seine Runden dreht. Kanne und Dessertteller aus der Aschacher Steingutfabrik sind auf einer Drehscheibe entstanden.

Das Gemälde „Die Töpferwerkstatt“ von Gleichen-Russwurm gibt in kräftigem Pinselduktus Einblick in das Töpfereihandwerk um 1929. Ein Metzger an einer Spielzeugwurstmaschine bringt eine Kette an Würsten durch beharrliches Drehen hervor.

Für die Bewegung des Drehens und Rollens stehen eine keltische Vier-Augen-Perle, circa aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, und eine massive Sinn- Kugel aus Draht der Bildhauerin Angelika Summa. Ein versteinerter Ceratit präsentiert seine schneckenförmigen Rundungen.

Die Assoziation „völlig durchgedreht“ besetzen Harald Schmaußers „Reichskater“ und Roland Halbritters Mail-Art-Projekt „Post für Otto“. Die Abformung eines memphitischen Grabreliefs stellt fein gedrehte Perücken in den Fokus. In seinem Gemälde „Segelflug“ interpretierte Ferdinand Lammeyer 1950 in surrealistischer Weise das Thema Bewegung.

Ähnlich das Gemälde „Michaels Kampf mit dem Teufel“ mit dem Sturz des Erzengels. Schließlich gewährt eine Konsoluhr aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts Einblicke in ihr Inneres und zeigt, wie sich ihre Räder drehen, während dabei die Zeit verinnt.

Beteiligt an der großen Kunsttauschaktion sind in diesem Jahr die Museen Schloss Aschach, das Schlossmuseum Aschaffenburg, das Museum Obere Saline Bad Kissingen, das Museum Terra Triassica in Euerdorf, das Knauf-Museum in Iphofen, das Deutsche Fastnachtsmuseum in Kitzingen, die Kreisgalerie Mellrichstadt, das Museum. Stadt.Miltenberg, das Spessartmuseum Lohr, das Museum Oberschwappach, die Kunsthalle Schweinfurt, das Museum Barockscheune Volkach sowie das Museum für Franken und das Museum im Kulturspeicher in Würzburg.

Wenn Kunst fremd geht, hat sie seit jeher auch ein Begleitprogramm im Gepäck, in dessen Rahmen Experten in Führungen, Vorträgen und Sonderveranstaltungen die Gast-Kunst beleuchten und gesondert würdigen.

Bis zum Ausstellungsende sind noch folgende Termine angesetzt:

17. September, 14 Uhr, Schlossmuseum Aschaffenburg:
Führung zur Geschichte des Schlosses Johannisburg und seiner Museen

22. September, 16 Uhr, Museum für Franken, Würzburg, Stadtgeschichtliche Abteilung:
Kulturtalk beim Schoppen: „Ein Metzger unter Dampf - Zur Kulturgeschichte von Blech- und Dampfspielzeug

5. Oktober, 19 Uhr, Kunsthalle Schweinfurt:
„Zwischen Abstraktion und Figuration - Die ständige Sammlung in der Kunsthalle Schweinfurt

25. Oktober, 19 Uhr, Trias Lounge Euerdorf:
Cocktails und Livemusik im Museum Terra Triassica mit Führung

28. Oktober, ab 19 Uhr, Kreisgalerie Mellrichstadt:
Erlebnisnacht mit verschiedenen Veranstaltungen in der Kreisgalerie.
Mehr unter www.kreisgalerie.de

5. November, 17.30 Uhr, Museum Terra Triassica, Euerdorf:
Finissage „Kunst geht fremd“ mit Sektempfang und Präsentation

Bildnachweis: Kollage Anne Genkel

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