Deutschordensmuseum Bad Mergentheim zeigt bis 16. September Karikaturen von Gerhard Glück

von Renate Freyeisen (erschienen in Ausgabe 4/2018)

Im Bild: Gerhard Glück - „Vincent klaut schon wieder Sonnenblumen!“.Farbige Cartoons des vielfach ausgezeichneten Karikaturisten Gerhard Glück erfreuen die amüsierten Besucher des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim mit feinem Humor und oft abgründiger Komik.

„Wie es euch gefällt“ heißt die bis 16. September zu sehende Ausstellung mit 120 Bildern, die in drei große Bereiche aufgeteilt ist, in die Beziehung von Menschen untereinander, aber auch zu Tieren, in die Parodie gängiger Kunstbegriffe und schließlich in das eher Düstere und Negative unseres Alltags; dazwischen, im Turmzimmer, wo noch der „Gebetomat“ von Oliver Sturm aufgebaut wird, befasst sich Glück mit Themen wie Kirche und Glaube.

Der 74-jährige Künstler aus Kassel ist auch ein Meister des etwas hinterhältigen Wortwitzes, zu ersehen aus den Titel-Unterschriften und den erfundenen Namen.

Er entwirft auf seinen Bildern, sorgfältig nach Skizzen ausgeführten Gemälden in Acryl- und Temperafarben, immer kleine, quasi naturalistisch ausgestaltete Szenen, die ein „Vorher“ und „Nachher“ haben und deren Ende sich der Betrachter denken soll; häufig treten darauf kleinbürgerliche Darsteller mit ihren Ordnungs-, Ästhetik- und Moralvorstellungen auf.

Dabei hinterfragt Glück mit viel Ironie alltägliche Konventionen und Kulturwissen, Probleme zwischen Ehepaaren, das Gewohnte des trauten Heims und Familienlebens, von Wohlfühlidyllen, das gestörte Verhältnis von Menschen zu Tieren, die scheinbaren Segnungen der modernen Technik, Reiseerlebnisse und ihre Auswirkungen, aber auch irritierende gesellschaftliche und politische Entwicklungen, macht sich lustig über die vermeintliche Wichtigkeit von Kunstbetrachtung und Kulturbetrieb, parodiert bekannte Kunstwerke oder die Haute Cuisine, nimmt christliche Begriffe und Feste satirisch aufs Korn, zeigt aber auch, dass hinter all dem Witz ein ernster Kern steckt.

So kann man noch lachen darüber, dass künftig beim Jüngsten Gericht die nackten Seelen neuerdings korrekt gekleidete Rechtsbeistände nötig haben, aber wenn ein Vergnügungsdampfer in den Abgrund fährt, der Symbolismus als leere Hülle ankommt, gezeigt wird, wo Herr Gott wohnt, oder ein Einzelkind auf einem Karussell einsam seine Runden dreht, enthält diese scheinbar humoristische Betrachtung schon den Beigeschmack des Bitteren.

Dass Karikaturisten gefährlich leben, hat die jüngste Vergangenheit mit der Reaktion auf die Mohammed- Karikaturen erwiesen; Glück thematisiert dies, indem er sich selbst porträtiert im Gespräch mit einem bärtigen Mullah in „Karikaturist versucht einen Witz zu erklären“ – ob das gelingt, ist die Frage.

Der Betrachter aber genießt ganz einfach den hintergründigen Humor des Künstlers und dessen erst auf den zweiten Blick erkennbare witzige Anspielungen.

Bildnachweis: Gerhard Glück

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