„Bauernkrieg“-Zyklus von Käthe Kollwitz bis 14. Januar im Würzburger Kulturspeicher

von Eva-Suzanne Bayer (erschienen in Ausgabe 11/2017)

Käthe Kollwitz, Losbruch, Blatt 5 der Folge »Bauernkrieg«, 1902/03, Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta sowie Vernis mou mit Durchdruck von zwei Stoffen und Zieglerschem Umdruckpapier.Suggestive Lichteffekte, dramatische Gesten, dynamische Massenszenen und Closeups, die den Kern einer Handlung herausschälen - man könnte direkt von einer „Bildregie“ sprechen, mit der Käthe Kollwitz ihren sieben Blatt umfassenden Radierzyklus „Bauernkrieg“, entstanden 1902-1908, inszeniert.

Auf blutrote Wand gehängt, steht er bis 14. Januar im Mittelpunkt der Ausstellung „Aufstand! Renaissance, Reformation, Revolte“ im Würzburger Kulturspeicher.

Wie weit und mühsam der Weg zum genau richtigen Ausdruck, zur exakt treffenden Aussage war, zeigen eine Fülle von Studien, Vorzeichnungen und die große Anzahl von Drucken verschiedener Plattenzustände, in denen Käthe Kollwitz (1867-1945) mit ihren Themen rang.

Neigte sie anfangs noch zu anekdotischem Beiwerk, zu symbolistischen Überfrachtungen, ließ sie im Laufe der Arbeit alles Nebensächliche weg und konzentrierte sich allein auf den sich unmittelbar mitteilenden Kern, um das emotionale Substrat einer Bildszene.

Komposition, Hellund Dunkelwerte, Lichtführungen, Schärfen und Unschärfen, selbst das Format des Blattes stehen allein im Dienste des Ausdruckes.

In unserer „coolen“ Zeit mag da manches etwas pathetisch erscheinen, doch bei der Kollwitz ist alles von wahrem Gefühl, von einer tiefen sozialen, ja sozialistischen Weltanschauung getragen und von echtem Mitempfinden.

Wenn sie, wie im ebenfalls gezeigten Zyklus „Ein Weberaufstand“ (1893- 98), die Demütigung und bittere Not der kleinen Leute schildert, die zum Zorn, zum Aufstand, dann aber in die Niederlage führen, verwendete sie oft sakrale Motive, wie die Pietá und die Kreuzabnahme, um die Würde - und die Passion - ihrer Protagonisten zu intensivieren.

Die vom Käthe Kollwitz Museum Köln übernommene Ausstellung wird in Würzburg durch Blätter aus eigenen Beständen und aus Privatbesitz abgerundet.

INFO: www.kulturspeicher.de

Bildnachweis: Käthe Kollwitzmuseum Köln

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