Christian Federolf-Kreppel über 30 Jahre Gastspieltheater und Theater im Allgemeinen

von Susanna Khoury (erschienen in Ausgabe 11/2019)

„Zwischen 85.000 und 90.000 Besuchern hat das Theater der Stadt Schweinfurt durchschnittlich im Jahr“, sagt Intendant Christian Federolf- Kreppel.Als Sohn eines lyrischen Soprans und eines ersten Bassisten der Staatsoper Wien und Deutschen Oper Berlin habe er von Kindesbeinen an sogenannte „Hochkultur“ inhaliert, sagt Christian Federolf-Kreppel, Intendant des Schweinfurter Theaters und Kulturamtsleiter der Stadt Schweinfurt. Und wer mit drei Jahren hinter der Bühne anfängt, Bühnenluft zu schnuppern, den lässt das Geschehen hinter den Kulissen nicht mehr los.

„So schaut es aus!“, gibt der engagierte Theaterleiter Federolf-Kreppel mit geschwellter Brust voll jahrzehntelang inhalierter Bühnenluft unumwunden zu. Kulturbegeistert mit ersten Erfahrungen in Kunst und Kultur sei er mit 27 Jahren nach Deutschland gekommen und wollte maximal zwei Jahre beim Tourneetheater Landgraf in Titisee-Neustadt Erfahrungen als Disponent sammeln. „Daraus sind dann im Handumdrehen 16 Jahre geworden. Und wenn nicht das Angebot aus Schweinfurt gekommen wäre, hätte es gut sein können, dass ich heute noch dort wäre!“ Beim Unternehmen Landgraf, das nächstes Jahr 75-jähriges Bestehen feiert, habe er Theater von der Pike auf gelernt.

Als Disponent war es damals wie heute kleidsam, die „eierlegende Wollmilchsau“ zu geben, denn nur so könne dieser Job funktionieren. Neben Gastspieltheater-Vermittlung produzierte Landgraf auch selbst Schauspiel, Musicals und Operetten. „Wir tourten durch den ganzen deutschsprachigen Raum bis nach Finnland oder Korsika und ich verbrachte manche Nacht vor dem Telex, um auf eine Bestätigung etwa aus Moskau zu warten, dass die Zusage steht“, erzählt der gebürtige Österreicher, Kind einer Rheinländerin und eines Mittelfrankens. Landgraf habe viel mit den großen Häusern Osteuropas gearbeitet, überhaupt mit den ersten Adressen weltweit.

Diese Verbindungen seien ihm auch bei seiner Intendanz in Schweinfurt sehr zugute gekommen. Die Theaterwelt sei auch global gesehen ein Dorf. Jeder kenne jeden. Und das helfe natürlich sehr, vor allem, wenn etwas einmal nicht so laufe wie geplant. Und wann läuft schon immer alles nach Plan? Weder im Leben noch im Theaterbetrieb kann man das immer erwarten. Daher tat der 58-Jährige gut daran, sein Know-how, gepaart mit Improvisationstalent im Theaterbetrieb, zu perfektionieren. Nach 30 Jahren Gastspielbetrieb schockt ihn heute so schnell nichts mehr. Und auch wenn er beobachte, dass das Publikum spontaner geworden sein, will heißen, sich von heute auf morgen entscheide, ob es ins Theater gehe oder nicht, sei die Auslastung seines Hauses gleichbleibend gut bei immer über 85 Prozent.

Auch stelle er fest, dass der Zuschauer im Laufe der Zeit, heute nach einem stressigen Tag im Job, eher leichte, seichte Kost bevorzuge. „Wie es Euch gefällt?“ Mit ihm als Intendant nicht! Er mag forderndes Theater und mache dennoch einen Spielplan, der dem Gros der Zuschauer gefalle, ohne gefällig zu sein. Frei nach Pablo Picasso kann Kunst den Staub des Alltags von der Seele waschen und das gelänge damals wie heute, wenn ein guter Stoff auf gute Akteure und eine gute Inszenierung treffe. Dann würden Emotionen geweckt und der Funke zum Publikum springe über! Eigentlich ganz einfach, oder? Da bleibt nur zu wünschen, dass der Schweinfurter Theaterchef auch für den 15. Spielplan, die Spielzeit 2020/2021, an dem er gerade arbeitet, weiterhin so ein gutes Händchen hat. Chapeau für die bisher geleistete Arbeit Herr Federolf-Kreppel!

Bildnachweis: Theresie-Josefin Federolf

Anzeigen