Die Freilichtsaison auf den Bühnen der Region und darüber hinaus ist eröffnet

von Nicole Oppelt (erschienen in Ausgabe 5/2018)

Die Freilichtbühne Röttingen feiert Geburtstag. Zum Jubiläum wurde der Ostflügel für rund 2,2 Millionen Euro wiederaufgebaut.„Der Tag ist frisch, die Sonne treibt Kosmetik und streichelt dir die blasse Haut. Der Frühling deckt den Tisch, die Lebenslust steigt stetig und Kirschbaumknospen warten auf die Braut. (…) Die Sonne dominiert in ein paar Wochen, du atmest wieder optimistisch auf. Die Knospen sind dann alle aufgebrochen. Die Liebe freut sich und dein Herz geht auf“, dichtete der Physiker Klaus Reißig.

Seine Zeilen stecken voller Aufbruchstimmung. Jene ist derzeit auch in der Theaterlandschaft rund um Würzburg – und auch etwas weiter weg – zu spüren.

Die Freiluftsaison breitet langsam, aber stetig ihre Flügel aus. Zeit für einen ersten „Spaziergang“ zu sehenswerten Spielstätten der Region. Und der lohnt, warten die Freilichtbühnen dieser Tage mit allerhand Sehenswertem auf. Sie schlagen den Bogen vom klassischen Repertoire über Stücke, die bereits in Hollywood begeisterten, bis hin zu Erinnerungen an so manch kunterbunte Epoche der vergangenen Jahrhunderte.

Fürwahr zauberhaft starten zum Beispiel die Altmühlsee Festspiele. Intendant Harald Molocher erfreut das Publikum ab dem 14. Juni mit einem echten Klassiker – William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Unbestritten gehört das Werk bis heute zu den meistgespielten Stücken der dramatischen Weltliteratur. Und auch in Muhr am See weiß man ihre Komplexität zu schätzen: „Es ist eine märchenhafte Komödie um die Liebe und um die Verwirrungen, die die Liebe auslösen kann. Der Reiz dieser Komödie besteht vornehmlich in ihrer Fantastik, die es ermöglicht, die tiefgreifende Psychologie sichtbar zu machen, die dem Thema innewohnt.“ Ab 16. Juni darf sich das Publikum außerdem auf „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind freuen. Darin erzählt der Autor über das Leben eines Hinterbänklers im städtischen Orchester. „Das ist Slapstick pur, Milieukomik, brillante Sprachbeherrschung und soziale Analyse in einem“, ist das Theaterteam schon jetzt begeistert. „Während normalerweise der Kontrabass im Orchester untergeht, hat Süskind ihm hier zu einem grandiosen Solopart verholfen.“

Goethes Faust steht im Jubiläumsjahr im Zentrum der Kreuzgangspiele – begannen doch diese vor 70 Jahren mit diesem Stück Welttheater.Im Mai beginnen die 70. Kreuzgangspiele in Feuchtwangen und mit ihnen auch die Veranstaltungsreihe Kreuzgangspiele extra: Am 5. Mai entführen „Die Streifenhörnchen“ – alias Rolf-Bernhard Essig und Franz Tröger – im Fränkischen Museum für ein erstes „extra“ in die Welt des Theaters mit viel Witz und viel (Spieluhr-)Musik. Eine wunderbare Einstimmung auf das große Faust-Stück unter der Regie von Johannes Kaetzler, das am 7. Juni im Kreuzgang Premiere hat, aber auch eine schöne Begleitveranstaltung zur Ausstellung des diesjährigen Feuchtwanger Kunstsommers, die anlässlich des Jubiläums der Festspiele bis zum 19. August Fotografien zu den Kreuzgangspielen zeigt. Am 14. Juni feiert zudem Kay Pollaks „Wie im Himmel“ Premiere. Ein Schauspiel mit Gesang nach dem Drehbuch zum gleichnamigen Film, das unter der Regie von Achim Conrad einen Zauberblick auf die Musik und das Leben gewährt.

Im Landestheater Dinkelsbühl herrscht ab dem 13. Mai Freiluftsaison. In der überdachten Freilichtbühne am Wehrgang geht es dann ab dem 29. Mai direkt hinein in die Welt der 70er Jahre. Die Kultschlagerrevue von Hilke Bultmann „Und es war Sommer“ feiert die besten Songs von Peter Maffay, Mungo Jerry, The Bee Gees, ABBA, Udo Jürgens, Baccara, Boney M. und vielen weiteren unvergessenen Hitgaranten. Am 5. Juni werden dann aber auch ernstere Töne angeschlagen. David Seidlers „The King's Speech – Die Rede des Königs“ dürften Theater- und Filmfreunden ein Begriff sein. Immerhin erhielt die Verfilmung der Geschichte von Prinz Albert, Sohn von König Georg V., 2011 vier Oscars. Am 12. Juni folgt mit Lothar-Günther Buchheims „Das Boot“ bereits die dritte Premiere der Saison. Auch hier finden sich Cineasten wieder: „Das Boot“ von Wolfgang Petersen kam 1981 in die Kinos, wurde ein internationaler Erfolg und erhielt unter anderem sechs Oscar-Nominierungen. Auch die Bühnenfassung lässt den Zuschauer unmittelbar an der Geschichte der Männer und dem zermürbenden Warten auf ihren Einsatz teilhaben.

2018 dürfen sich Besucher ab Ende Juni auf ein höchst unterhaltsames, qualitatives Programm bei den 35. Frankenfestspielen Röttingen freuen. Doch bevor es mitten hinein in die Abendvorstellungen geht, steht am 6. Juni erst einmal eine ganz besondere Eröffnung an. Bei der feierlichen Übergabe des Neubaus des Ostflügels der Burg Brattenstein, inklusive neuer Zuschauertribüne, präsentiert das Heeresmusikkorps Veitshöchheim ein Konzert. Das Repertoire reicht vom traditionellen Militärmarsch, Transkriptionen klassischer Ouvertüren, anspruchsvollen Originalkompositionen für sinfonisches Blasorchester über Filmmusik bis zu Big Band Arrangements und vielem mehr.

Die Altmühlsee Festspiele bringen Patrick Süskinds Einakter „Der Kontrabass“aus dem Jahr 1981 auf die Bühne.Auch bei den Clingenburg Festspielen gibt es Grund zum Feiern. Ab dem 15. Juni wird hier ein Vierteljahrhundert Spielbetrieb mit einem außergewöhnlichen Programm gewürdigt. „Noch nie gab es sechs Eigenproduktionen und noch nie wurden so viele professionelle Darsteller und Musiker engagiert“, freut man sich in Klingenberg am Main. Eröffnet wird die Saison mit viel Musik und Politprominenz am 10. Juni Uhr im Rosengarten der Stadt Klingenberg. Am 15. Juni steht dann die ganz große Premiere des Musicals „West Side Story“ von Leonard Bernstein an. „Wegen des besonders hohen gesanglichen und tänzerischen Anspruchs haben Intendant Marcel Krohn und Choreograph Timo Radünz langwierige Tanz-Auditions in verschiedenen Städten durchgeführt“, heißt es aus dem Theater. „Das Ergebnis: ein Ensemble von 27 hochkarätigen Darstellern.“

Das Theater Schloss Maßbach – Unterfränkische Landesbühne startet am 1. Juni „open air“ mit einem Schauspiel von Simon Stephens nach dem Roman von Mark Haddon. „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ erzählt humorvoll von Christophers genial-eigenwilliger Täter-Suche im heutigen London, die am Ende zu einer großen Überraschung führt, die sein Leben verändert. „Zum Brüllen komisch und zum Staunen anders... Für Jungge­bliebene und für Menschen, die sich noch wundern wollen“, urteilt auch Regisseur Christian Schidlowsky. Lachen steht übrigens abermals ab dem 15. Juni mit „Der Raub der Sabinerinnen“ auf dem Programm. Die schwankhafte Geschichte nach Franz und Paul von Schönthan von Rolf Heiermann ist ein Klassiker der Komödie. Alles dreht sich hier um Herr Dr. Gollwitz. Er gehört zu den wichtigen Persönlichkeiten einer deutschen Kleinstadt. Niemand weiß, dass er in jungen Jahren eine Römertragödie geschrieben hat. Als Theaterdirektor Striese in die Stadt kommt, ändert sich das schlagartig. Er wittert volle Kassen. Und Gollwitz? Er steuert dem Skandal seines Lebens entgegen.

Zu guter Letzt locken die Rokoko-Festspiele in Ansbach vom 29. Juni bis 3. Juli hinaus ins Freie. Und das fulminant: Musik und Tanz, die markgräfliche Reiterei, Hofdamen in feinen Roben und stattliche Kavaliere lassen die Zuschauer der Rokoko-Festspiele im einmaligen Hofgarten in eine längst vergangene Epoche eintauchen. Am Freitagabend führt der Hofmarschall durch das historische Galadiner. Anschließend mischen sich beim „Sommerlichen Maskenfest“ allerlei Adlige in bezaubernden Kostümen und mit venezianischen Masken unter allerhand fahrendes Volk. Ein buntes Feuerwerk beschließt das Fest. Am Samstagvormittag laden Musik, Tanz und allerhand Vorführungen zum „Barocken Leben in der Stadt“ an verschiedene Plätze in die Innenstadt ein. Am Samstagabend lockt erneut das historische Galadiner mit kulinarischen Genüssen wie im 18. Säculum. Im Anschluss zelebriert der Hofstaat ein rauschendes Fest anlässlich der „Markgräflichen Hochzeit“ des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich mit Friederike Luise. Zu den Veranstaltungen am Sonntag findet auch der Tag der Franken in Ansbach statt. Nach einem ökumenischen Gottesdienst findet die festliche Eröffnung des Tages der Franken mit großer Feldmusik statt. Hofpauker, Dragoner und Jäger präsentieren klingendes Spiel in prächtigen Uniformen. Auf das Prächtigste vergnügen können sich die Besucher am Sonntag­nachmittag bei der „Fürstlichen Gartenlust“ mit Vorführungen von Gauklern, Jagdfalken, Reitern und Tänzern. Im prachtvollen Innenhof der Residenz unterhält am Montagabend das Theater Ansbach die Besucher mit der Komödie „Tartuffe oder der Betrüger“ von Molière, bevor am Dienstagabend die Schlosshof-Serenade den musikalischen Abschluss der Ansbacher Rokoko-Festspiele bildet.

INFO:
www.muhr-am-see.de,
www.kreuzgangspiele.de,
www.landestheater-dinkelsbuehl.de,
www.frankenfestspiele.de,
www.clingenburg-festspiele.de,
www.theater-massbach.de,
www.ansbach.de

Bildnachweis: Festspiele Röttingen/ Evelyn Lorenz, Nicole Brühl/Kreuzgang Feuchtwangen, Altmühlsee Informationszentrum / Klaus Schraeder

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