Ein Blick auf die Freilichtbühnen der Region und darüber hinaus

von Nicole Oppelt (erschienen in Ausgabe 6/2018)

In Röttingen läuft das Erfolgsmusical „Spamalot“, das bereits drei Tony Awards, unter anderem als bestes Musical, einstrich.Vielversprechend startete unser Rundgang. Klassiker wechselten mit Revuen, bekannten Stoffen aus Hollywood und so manch sommerlichem Spektakel. Teil zwei der Freillichtreise mutet nicht minder abwechslungsreich an.

Auch in den kommenden Wochen kann geträumt, gelacht, gestaunt, mitgefiebert und sogar mitgesungen werden. Laue Sommernächte sind bei so viel Abwechslung garantiert.

Die Altmühlsee Festspiele begeistern im Juni und Juli nicht nur mit William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ und Patrick Süskinds „Der Kontrabass“. Am 22. Juli heißt es auch „Klassik am Altmühlsee“. Unter der musikalischen Leitung von Stefan Hofmann betreten an diesem Abend Studenten und Studentinnen der Hochschule für Musik Nürnberg die Seebühne am Seezentrum Gunzenhausen-Schlungenhof, um mit ihrem Programm „Auf Flügeln des Gesangs“ zu begeistern. Zu Gehör bringen die Studierenden der Klassen Prof. Susanne Kelling (Gesang) und Prof. Wolfgang Manz (Klavier) bringen Klavier-, Lieder- und Arien von W.A. Mozart, F. Schubert, G. Puccini und G. Rossini.

Die 70. Kreuzgangspiele in Feuchtwangen setzen auch in den kommenden Wochen auf „Faust I“ und „Wie im Himmel“. Noch bis zum 11. August geht es mit Goethe zurück ins Mittelalter – in eine Zeit, in der Glaube, Magie, harte Arbeit und Entsagung den Alltag der Menschen bestimmen. Doktor Heinrich Faust sucht, getrieben von überbordendem Wissensdurst, nach einer absoluten Sinnhaftigkeit des Lebens und findet – wie kann es anders sein – darauf keine Antwort. In tiefer Depression und Lebenskrise verspricht er dem Teufel seine Seele, wenn dieser es schafft, ihn aus seiner Krise zu führen hin zu einem möglichen Erlebnis von Lebensglück. Mephisto öffnet Faust den Zugang zu diversen Welten, die voll Lust und Begehren verheißungsvoll aufscheinen. Verhängnisvolle Begegnungen sind die Folge und konfrontieren uns mit der hochaktuellen Frage, wo und ob Grenzen zu setzen sind in der Expansion eines enormen Egos über die Welt. Bis zum 12. August heißt es „Wie im Himmel“ nach dem gleichnamigen Musik-Film von Kay Pollak. Das Theaterstück rund um einen weltberühmten Dirigenten, den es nach einem Herzinfarkt aufs Land zieht, ist der erbauliche Gegensatz zu „Faust“. Es lenkt den Blick auf die verborgenen Möglichkeiten der Menschen und führt ihnen geradezu beglückend vor Augen, dass Angst vor Neuem und vor Fremdem positiv überwunden werden kann. Freuen können sich die Zuschauer überdies auf den 9. Juli. Im Fränkischen Museum erzählt „Glanz“ die Geschichte einer jungen Frau, die erfährt, wie leicht Träume zerplatzen können.

Im Landestheater Dinkelsbühl stehen nach wie vor „Und es war Sommer“, „Das Boot“ sowie „The King’s Speech“ auf dem Programm. Zu Gast sind im Juli aber auch gleich zwei Große des Kabaretts. Am 9. Juli ist Urban Priol zu Gast und blickt auf „Gesternheutemorgen“. In seinem neuen Programm lässt er Kabarettklassiker, die in all den Jahren entstanden sind, neu aufleben. Am 23. Juli übernimmt Kabarett-Kollegin Luise Kinseher das Mikro. Die „Mama Bavaria vom Nockherberg“ wird auch das Publikum in Dinkelsbühl mit ihrem unverwechselbaren Charme um den Finger wickeln, um es anschließend fest an der Nase zu packen.

Die Clingenburg Festspiele um Intendant Marcel Krohn begrüßen ihr Publikum in dieser Jubiläumsspielzeit mit einem großen, internationalen Ensemble. Unter ihnen die Zypriotin Theano Makariou, die ab dem 15. Juni im Musical „West Side Story“ von Leonard Bernstein die Maria verkörpern wird und den Armenier Gevorg Aperánts, der die Rolle des Tony übernimmt. Die nächste Premiere steht am 28. Juni an. Das Volksstück „Der verkaufte Großvater“ von Anton Hamik erzählt im bayerischen Dialekt die Geschichte eines Großvaters, der, statt zu sterben, nur Unfug und Schabernack im Kopf hat. Für die Rolle des Großvaters konnte ein Darsteller gewonnen werden, der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge dazu passt. Bekannt wurde er durch die Verfilmung von Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“, die er bis 1969 in fünf Filmen verkörperte, und durch die Filmreihe „Die Lümmel von der ersten Bank“ (1967–1972) – richtig: Hansi Kraus.

Das Theater Schloss Maßbach - Unterfränkische Landesbühne steht im Juni und Juli ganz im Zeichen der Komödie von Franz und Paul von Schönthan „Der Raub der Sabinerinnen“ aus dem Jahr 1883. Regisseur Rolf Heiermann katapultiert das Publikum hinein in eine bildungsbürgerliche Kleinstadt mitten in Deutschland – mit allem, was dazu gehört: Verwechslungen, Streitereien, Enthüllungen und Besetzungsschwierigkeiten eines Stückes, das vielleicht lieber in der Schublade geblieben wäre.

Ab dem 4. Juli geht es hoch hinauf zu den Scherenburg Festspielen in Gemünden. Und die starten nach absolviertem Aufstieg nicht minder schwungvoll mit der Schlagerrevue „Petticoat und Minirock“ von Hilke Bultmann und Klaus-Peter Nigey. Erzählt wird die Geschichte von ganz unterschiedlichen Menschen, die sich in den 50ern zum ersten Mal begegnen: auf der MS Binger Loch, einem Ausflugsschiff, das zwischen Koblenz und Bingen verkehrt. Alle haben sie Träume, doch als sie sich in den frühen 60ern auf einem Traumschiff im Mittelmeer erneut begegnen, wird klar, Träume sind Schäume, es kommt im Leben und in der Liebe eben doch manches ganz anders. Begleitet wird die Rahmenhandlung, wie könnte es anders sein, von einer Vielzahl deutscher Schlager der 50er und 60er Jahre. Mit dabei sind unter anderem Hits von Catharina Valente, Peter Alexander, Hildegard Knef, Peter Kraus, Billy Haley, Chubby Checker und vielen weiteren musikalischen Größen. Am 9. Juli ist auch in Gemünden die Kabarettistin Luise Kinseher mit ihrem Programm „Die Kinseher kimmt“ zu Gast. Am 12. Juli folgt dann die nächste Premiere: Ray Cooneys Komödie „Außer Kontrolle“. Alles dreht sich um den eiskalten Politiker Josef Martin Standfest, den sein schlüpfriges Privatleben schwer in die Bredouille bringt. Die Zutaten für einen kurzweiligen Abend sind klassisch, aber brillant: ein eifersüchtiger Ehemann, ein geldgieriger Kellner, eine resolute Krankenpflegerin mit Liebeswallungen, der sehr auf Ordnung bedachte Manager des Hotels, ein orientierungsloser Privatdetektiv und nicht zuletzt die Ehefrau des Ministers.

Zurück ins antike Athen: In der Alten Hofhaltung in Bamberg macht sich während der Caldéron- Spiele ein ganz besonderer Zauber breit.Bei den 35. Frankenfestspielen in Röttingen dürfen sich Besucher in den kommenden Wochen auf ein höchst unterhaltsames, qualitatives Programm freuen. Das Freilichttheater im Lieblichen Taubertal an der Romantischen Straße startet ab dem 21. Juni das Musical von Eric Idle „Monty Python’s Spamalot“. Basierend auf dem Kultfilm des Jahres 1975 „Die Ritter der Kokosnuss“, einer nicht ganz ernst gemeinten Reise der britischen Komikertruppe „Monty Python“ ins Jahr 932 n. Chr. „Während der Film bereits mit herrlich schwarzem Humor die Sage um König Artus auf die Schippe nahm, parodiert ‚Spamalot‘ auf unglaublich schräge Weise die Kunstform Musical“, freut man sich in Röttingen auf ein wahres Nonsens-Feuerwerk. Ab 5. Juli präsentiert die Röttinger Bühne die musikalische Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ von Schulz/Frank/Heymann. Die berühmte Verfilmung mit Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oskar Karlweis wurde 1930 im Berliner Gloria-Palast uraufgeführt und gilt als erster deutscher Blockbuster. Unvergessen sind Melodien des bedeutenden Komponisten Werner Richard Heymann wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“. Die Röttinger Aufführung wird mit vielen Ufa-Hits gespickt und von einer Live-Band begleitet. Das Singspiel „Im weißen Rössl“ von Benatzky/Müller-Einigen/Charell/Gilbert feiert am 12. Juli Premiere. Unvergessen, wie sich Peter Alexander 1960 in einer der beliebtesten Streifen der deutschen Filmgeschichte als Zahlkellner Leopold mutig, ausdauernd und nicht minder strategisch um die Gunst der Rösslwirtin Josepha Vogelhuber, von Waltraud Haas gespielt, bemühte. Die Frankenfestspiele Röttingen, mit ihrem einzigartigen Ambiente, der Burg Brattenstein, bieten für diesen skurrilen urlaubsromantischen Ausflug der Großstädter eine geradezu perfekte Postkartenkulisse.

Apropos Postkartenkulisse: Diese findet sich auch in der Alten Hofhaltung in Bamberg. Dort lässt sich das E.T.A. Hoffmann Theater alljährlich für seine Caldéron-Spiele nieder. Ab 30. Juni verzaubert hier ebenfalls William Shakespearses „Ein Sommernachtstraum“. „Shakespeares beliebteste Komödie entführt die Menschen in eine fantasievolle Feenwelt, in der die Liebe, launisch wie der Mond, abgründig und ergreifend, in einer rauschhaften Nacht gefeiert wird“, macht das Team um Intendantin Sibylle Broll-Pape und Regisseurin von Nicole Claudia Weber Lust, erneut in eine skurrile Nacht mit seinen magischen Verwirrspielen einzutauchen – wildes Begehren und wahre Gefühle inklusive.

In der 23. Spielzeit zeigen die Theatertage Mildenburg als Abendstück das beeindruckende Schauspiel „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr. Ab dem 11. Juli wird es unter der Regie von Mathias Schuh dramatisch. Auf ein Schmugglerehepaar an der Grenze zwischen Bayern und Tirol wird ein junger Gebirgsjäger angesetzt, der sich an die Frau heranmachen soll, um dem Mann das Handwerk zu legen. Der Schmuggler hält seine Frau an, auf die Avancen des Jägers einzugehen. Aber: Aus der taktischen Annäherung zwischen Frau und Jäger erwächst eine alpenländische Amour fou und brennende Eifersucht.

Turbulent wird es auch im Freilandtheater Bad Windsheim. Ab dem 28. Juni ist hier „Bessere Zeiten – Ein böses Wirtschaftswunderspiel“ zu erleben. Das Stück „erzählt von Wirtschaftswunder und Neuanfang zwischen Angepasstheit und Rebellion, zwischen Traktor, Goggomobil und knatterndem Moped, zwischen Kittelschürze und Petticoat, Blasmusik und Rock’n’Roll – und der Suche nach individueller Freiheit und Selbstbestimmung“, lädt das Theater zu einer nostalgischen Zeitreise in den Sommer 1959 ein. Übrigens, „Bessere Zeiten“ wird es auch als Live-Hörspiel geben. Das Stück wird dann von vier statt 40 Schauspielern erzählt. Sie schlüpfen mit großer Spielfreude innerhalb von Sekunden in die unterschiedlichen Rollen, sprechen in verschieden Dialekten und zeigen die ganze Bandbreite ihrer Wandlungsfähigkeit: ein Hörspiel nicht nur für die Ohren, sondern auch und vor allem für die Augen. Die Regisseurin und Dramaturgin Stefanie Pfeiffer inszeniert die Szenische Lesung mit den Schauspielern Silvia Ferstl, Sven Tjaben und Michael Kehr.

Am Ende unseres Theater-Spaziergangs gelangen wir schließlich zum Freilichttheater im Tempele Niederstetten e.V. Ab dem 11. Juli steht hier der bekannte Bauernschwank „Kohlhiesels Töchter“ frei nach dem Theaterstück von Hanns Kräly und dem Drehbuch von Eckhart Hachfeld auf dem Programm. 1920 lehnte sich Kräly an Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ an und schuf so einen Filmstoffklassiker, der nach der ersten Stummfilmfassung von Ernst Lubitsch in den kommenden Jahrzehnten immer wieder neu verfilmt wurde. Die wundervolle Geschichte von den kleinen Hindernissen auf dem Weg zum großen Glück besticht jedoch bis heute durch ihren deftigen Witz, anrührende Romantik und viel Musik.

INFO:
www.muhr-am-see.de,
www.kreuzgangspiele.de,
www.landestheater-dinkelsbuehl.de,
www.clingenburg. festspiele.de,
www.theater-massbach.de,
www.scherenburgfestspiele.de,
www.frankenfestspiele.de,
www.theater.bamberg.de,
www.theatertage-mildenburg.com,
www.freilandtheater.de,
www.theater-niederstetten.de

Bildnachweis: Jochen Klenk/Röttingen, Caldéron ETA/Martin Kaufhold, Gemeinde Muhr a.See/Altmühlsee (teaser)

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