Die Freilichtbühnen starten in ein fulminantes Finale

von Nicole Oppelt (erschienen in Ausgabe 7-9/2018)

Weil der zweite Auftritt in „Himmel und Hölle“ mit dem 20-jährigen Jubiläum des „Theater am Schützenhof“ zusammenfällt, dürfen sich die Zuschauer auf ein paar göttliche Extras freuen.Es wird wild, es wird gelacht, mitgefiebert und gestaunt. Der Sommer steuert seinem Höhepunkt entgegen und die ­Freilichtbühnen der Region zeigen sich von ihrer allerbesten Seite.

Noch ein paar Wochen kann sich das Publikum in andere Sphären versenken, ganz so, wie der deutsche Philosoph und Schriftsteller Manfred Hinrich es einmal gesagt hat: „Bühne, Bretter, die die innere Welt verändern.“ 

Bis zum 22. Juli gibt es zum Beispiel Gelegenheit, den Altmühlsee Festspielen einen Besuch abzustatten. Sie enden in diesem Jahr unter der Leitung von Stefan Hofmann mit einem musikalischen Feuerwerk: „Klassik am Altmühlsee“ auf der Seebühne am Seezentrum Gunzenhausen-Schlungenhof.

Auch die 70. Kreuzgangspiele in Feuchtwangen fesseln noch eine ganze Weile. Bis 11. August steht Goethes „Faust“ auf dem Spielplan. Bis 12. August ist außerdem „Wie im Himmel“ nach dem gleichnamigen Musik-Film von Kay Pollak zu erleben. Mit einer Gala wird außerdem am 22. Juli dem großen Jubiläum der Kreuzgangspiele Tribut gezollt. Zu erleben ist ein Abend mit Schauspiel und Musik, mit besonderen Gästen und Überraschungen. Am 27. Juli halten dann die „Nachtgestalten“ Einzug in den Kreuzgang. „Die grandiose Show zur Mitternacht, musikalisch, dunkel, und – wie immer – ganz heiß“, betitel die Organisatoren das Spektakel zu fast mitternächtlicher Stunde. 

Die Sommerfestspiele im Landestheater Dinkelsbühl laufen noch gut einen Monat. Und nach wie vor stehen mit „Und es war Sommer“ bis zum 19. August, „Das Boot“ bis zum 29. Juli und „The King’s Speech“ bis zum 12. August drei abwechslungsreiche Produktionen auf dem Programm. Kabarett-Freunde kommen am 23. Juli mit Luise Kinseher auf ihre Kosten. Abgelöst wird sie am 6. August von Kollege Christoph Maul. Bisher kennt man den Schillingsfürster als Highlight beim legendären Frankemer. Dort schlüpft er seit Jahren in die Rolle des Hausmeisters. Nun hat er sich an sein erstes eigenes Kabarettprogramm gewagt. Unter dem Titel „Mangel durch Überfluss” beleuchtet Christoph Maul aus politischer Sicht das regionale wie auch globale Geschehen – unterstützt vom Gstanzlsänger und Liedermacher Martin Rohn.

Das Theater Schloss Maßbach – Unterfränkische Landesbühne steht noch bis zum 22. Juli ganz im Zeichen der Komödie von Franz und Paul von Schönthan „Der Raub der Sabinerinnen“ aus dem Jahr 1883. Ab dem 27. Juli heißt es dann „Hier sind sie richtig!“. In diesem Schwank von Marc Camoletti gerät so ziemlich jeder an die Falsche. Ausgelöst durch eine Annonce, kommt es zu einer Kette von Verwechslungen und den schönsten Missverständnissen, bis sich am Ende die richtigen Partner finden. Regisseur Ingo Pfeiffer scheint schon jetzt höchst amüsiert, wenn er schreibt: „Es ist herrlich, wie Camoletti es schafft, die Wünsche der Figuren in chaotischer Weise aufeinander prallen zu lassen!“

Mit den „Well-Brüder aus´m Biermoos“ geht es auf der Scherenburg auch mal zünftig zu.Hoch über Gemünden halten die Scherenburg Festspiele die passende „Belohnung“ für den Aufstieg parat. Bis zum 11. August können sich Musikfreunde hier auf die Schlagerrevue „Petticoat und Minirock“ von Hilke Bultmann und Klaus-Peter Nigey freuen. Bis zum 12. August wird außerdem Ray Cooneys Komödie „Außer Kontrolle“ gezeigt. Am 6. August spielen überdies die „Well-Brüder aus´m Biermoos“, die in bewährter Familientradition das politische Geschehen Bayerns und dem Rest der Welt aufs Korn nehmen.

Bei den 35. Frankenfestspielen in Röttingen ist es derweil Zeit für „Monty Python's Spamalot“. Die nicht ganz ernst gemeinte Zeitreise ins Jahr 932 nach Christi ist bis zum 12. August im Burghof zu erleben. Weiter geht’s auch mit dem Klassiker „Die Drei von der Tankstelle“. „Ein Freund, ein guter Freund“ erklingt bis zum 4. August. Apropos: Das Singspiel „Im weißen Rössl“ läuft sogar noch bis zum 19. August. Und es bleibt musikalisch. Bereits am 16. Juli kündigen sich „Alte Bekannte“ zu einem Open-Air-Konzert mit A-cappella-Pop und richtig guten deutschen Texten an. Tags darauf sind hier Süden „Ritorniamo!“ - Schmidbauer, Pollina, Kälberer zu erleben. Am 18. August wird es dann mit „Wolfgang Krebs & Die Bayerischen Löwen“ ziemlich laut und ziemlich zünftig. Das Kontrastprogramm hierzu findet sich am 7. August mit „Fred Astaire - Ein Leben für den Tanz!“.

Die Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel haben in den kommenden Wochen ebenfalls Großes vor. Wer sie noch nicht kennt: Inmitten des Fichtelgebirges erhebt sich ein gewaltiges Labyrinth aus riesigen Granitsteinen. Und in diesen Felsen steht eines der schönsten und größten Open-Air-Theater Deutschlands – das Festspielhaus der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel. Bis zu 140.000 Zuschauer erleben dort in jedem Sommer große Musicalshows, dramatisches Schauspiel, Familienmusicals und Konzerte nationaler Stars. Bis zum 10. August kommt ein spektakulärer Freiheitskampf auf die Felsenbühne: „Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers“ von Felix Mitterer. Ein Stück voller Dramatik, atemberaubender Action und menschlicher Abgründe, das alle Register großer, spektakulärer Theaterkunst zieht. Das Familiemusical „Das Dschungelbuch“ bringt noch bis zum 12. August die Geheimnisse des indischen Dschungels in die Felsen, und mit „My Fair Lady“ kommt bis zum 11. August ein Klassiker des Musical-Genres. Ein detektivisches Vergnügen verspricht außerdem die Kriminalkomödie „Sherlock Holmes - Der Tod des Bayernkönigs“, die bis zum 12. August zum Mitfiebern einlädt. Ab dem 15. August dürfte außerdem das Herz von Operetten-Freunden bei „Gräfin Mariza“ höherschlagen. Fans von Tom Waits kommen bereits am 19. und 22. Juli auf ihre Kosten, wenn zwei fantastische Musiker – Peter Hohenecker und Silvia Salzbauer –mit ihrem kongenialen Programm die wunderbare Welt des großen Singer-Songwriters nach Wunsiedel bringen. Am 30. Juli ist zudem ein weiteres, bekanntes Gesicht auf der Luisenburg zu erleben, denn „Radio Doria“ sind zurück und schauen im Rahmen ihrer Tour auch bei den Festspielen vorbei.

Zurück sind derzeit auch die Caldéron-Spiele in der Alten Hofhaltung in Bamberg. Dort lässt sich das E.T.A. Hoffmann Theater alljährlich nieder. Bis zum 21. Juli verzaubert hier William Shakespears‘ „Ein Sommernachtstraum“. „Shakespeares beliebteste Komödie entführt die Menschen in eine fantasievolle Feenwelt, in der die Liebe, launisch wie der Mond, abgründig und ergreifend, in einer rauschhaften Nacht gefeiert wird“, macht das Team um Intendantin Sibylle Broll-Pape und Regisseurin Nicole Claudia Weber Lust, erneut in eine skurrile Nacht mit seinen magischen Verwirrspielen einzutauchen – wildes Begehren und wahre Gefühle inklusive.

In der 23. Spielzeit zeigen die Theatertage Mildenburg als Abendstück das Schauspiel „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr. Noch bis zum 21. Juli wird es unter der Regie von Mathias Schuh dramatisch. Auf ein Schmugglerehepaar an der Grenze zwischen Bay­ern und Tirol wird ein Gebirgsjäger angesetzt, der sich an die Frau heranmachen soll, um dem Mann das Handwerk zu legen. Der Schmuggler hält seine Frau an, auf die Avancen des Jägers einzugehen. Aber: Aus der taktischen Annäherung zwischen Frau und Jäger erwächst eine alpenländische Amour fou und brennende Eifersucht.

Im Freilandtheater Bad Windsheim geht es zurück in den Sommer 1959 und damit zurück in „Bessere Zeiten“.Im Freilandtheater Bad Windsheim locken hingegen noch bis zum 18. August „Bessere Zeiten“. Auf dem Gelände des Fränkisches Freilandmuseums erzählt Regisseur Christian Laubert eine Geschichte von Wirtschaftswunder und Neuanfang zwischen Angepasstheit und Rebellion, zwischen Traktor, Goggomobil und knatterndem Moped, zwischen Kittelschürze und Petticoat, Blasmusik und Rock’n’Roll – und der Suche nach individueller Freiheit und Selbstbestimmung.

Weiter geht es auch im Freilichttheater im Tempele Niederstetten e.V.. Bis 29. Juli steht hier noch der bekannte Bauernschwank „Kohlhiesels Töchter“ frei nach dem Theaterstück von Hanns Kräly und dem Drehbuch von Eckhart Hachfeld auf dem Programm.

Übrigens: Zum 20-jährigen Bestehen zeigt das „Theater am Schützenhof“ ebenfalls ein bekanntes Stück, nämlich seine Erfolgsproduktion „Die Erschöpfung oder Im Himmel hängt der Segen schief“ und überrascht die Gäste mit paradiesischen Genüssen. Wir erinnern uns: 2017 fand die umjubelte Premiere von „Die Erschöpfung“ statt – jetzt bekommen alle Open-Air-Musiktheater-Fans, die im vergangenen Jahr wegen der großen Nachfrage keine Karten mehr bekommen haben, eine zweite Chance: Bis zum 15. August geht das Ensemble, bestehend aus Georg Koeniger, Birgit Süß und Martin Hanns, wieder daran, Ordnung ins himmlische Chaos zu bringen und die Fehler der Schöpfung durch fetzige Songs, überraschende Wendungen und rasante Bühnenaction auszugleichen.

Humorvoll geht es in Main-Spessart weiter. Oder besser gesagt mit „Ein bisschen Kabarett, viel Komödie...ein Knaller!“. Mitten in der romantischen Atmosphäre des Hofriethgärtleins Karlstadt lässt Regisseur Werner Hofmann vom 26. Juli bis 5. August Lars Albums und Dietmar Jacobs‘ „Pantoffel Panther“ herumtigern. Die Geschichte: Hasso Krause hat ein Problem: Seine Firma für den Vertrieb von „Dellaponte-Schuhen“, dem italienischen Hersteller von edlen Lederpantoffeln, ist pleite. Um an Geld zu kommen, hatte er seine Lebensversicherung aufgelöst und sich anschließend so kapital an der Börse verspekuliert, dass er nun auf einem Riesenberg Schulden sitzt. Wäre da nicht sein gutmütiger Freund Rüdiger, der ihn ständig unterstützt, wäre der finanzielle Supergau schon längst eingetreten.

Völlig andere Töne werden in Freudenberg am Main angeschlagen. Bereits zum zweiten Mal gastiert hier Opera Classica Europa. Die Besucher dürfen sich hier am 28. Juli auf eine „Romantische Operngala“ freuen. Die musikalische Reise führt das Publikum diesmal von „Sevilla bis Wien“. Im ersten Teil präsentieren internationale Gesangssolisten Ausschnitte aus Georges Bizets Oper „Carmen“. Die 15-jährige Geigerin Laura Ochmann, die zu den fünf größten Nachwuchstalenten Deutschlands zählt, spielt hierzu passend die Carmen-Fantasie von Pablo de Sarasate. Im zweiten Teil des Abendprogramms erklingen Melodien der Wiener Operette. Als Orchester wurden die überregional bekannten Rhein-Main-Philharmoniker aus Frankfurt verpflichtet. Die musikalische Leitung des Abends übernimmt der international gastierende Dirigent der Opera Classica Europa, Professor Hans-Friedrich Härle.

Die 18. Residenzfestspiele Darmstadt lassen Musikfans in diesem Jahr unter dem Motto „Zeitenwende“ vom 27. Juli bis zum 5. August in den Süden Hessens strömen. Den Auftakt am 27. Juli gibt „Bill Ramsey & The European Swing Allstars“ im Kollegiengebäude. Tags darauf heißt es an gleicher Stelle „Zurück in die Zukunft Armeniens – Neo-traditionelle Musik mit dem Naghash Ensemble“. Am 29. Juli steht hier dann feinste Blasmusik mit Kabarett vom „SeppDeppSeptett“ auf dem Programm. Musik entdecken und erstaunliche Geschichten erfahren können Musikfreunde am 31. Juli mit dem Showpianisten und Entertainer Felix Reuter in der Orangerie. Wandel und Wechsel ist auch Thema dieses Konzertabends mit dem Alte Musik-Ensemble „Los Temperamentos“ am 1. August im Jagdschloss Kranichstein. Dort geht es einen Tag später mit dem Programm „Trionfo dei Piffari“ der Bläser der Capella de la Torre auf eine Reise durch Europa, um die verschiedenen Musikstile und Traditionen der Renaissance-Musik wieder neu erfahrbar zu machen. Die Mathildenhöhe wiederum ist am 3. August Bühne für den Singer-Songwriter Michael Schulte. Am 4. August steht hier dann Leonard Bernstein im Fokus. Anlässlich seines 100. Geburtstages widmen die Residenzfestspiele ihm und seinen „Komponisten-Freunden“ Aaron Copland, Charles Ives und Stephen Sondheim einen großen Konzertabend mit Solisten, dem Darmstädter Konzertchor und der Darmstädter Hofkapelle unter Leitung von Wolfgang Seeliger. Mit der „Italienischen Opernnacht“ mit Solisten, dem Konzertchor Darmstadt und der Darmstädter Hofkapelle unter Leitung von Wolfgang Seeliger am 5. August schließt sich hier der Kreis.

Luisenburg-Regisseur Tim Zimmermann nimmt sich mit Liebe zum Detail und viel Tanz des Musical-Klassikers „My Fair Lady“ an.Die Spanne von Oper bis Rock-Musical ist inzwischen das Markenzeichen der Schlossfestspiele Zwingenberg. Erleben kann man diese Bandbreite im Sommer auch an einem einzigen Abend bei der Open-Air-Gala zur Spielzeitmitte. Mit den Solisten Jana Marie Gropp, Patrick Stanke und Aaron Cawley schlägt die Gala am Freitag, den 27. Juli eine Brücke von der klassischen Oper über Filmmusik und Musicals hin zu legendären Rock- und Pophits.

Und es bleibt musikalisch: Die DomStufen-Festspiele in Erfurt zählen ganz sicher zu den sommerlichen Veranstaltungshighlight Thüringens. Seit 1994 pilgern Musiktheaterfans vor die atemberaubende, 700 Jahre alte Kulisse von St. Severi Kirche und Mariendom, in dem Martin Luther einst zum Priester geweiht wurde. Zum Jubiläum der diesjährigen 25. Festspiele steht mit Georges Bizets „Carmen“ ab dem 3. August eine der Lieblingsopern schlechthin auf dem Programm. „Das tödliche Eifersuchtsdrama fasziniert seit jeher durch seine exotische Titelfigur, durch unbürgerliche Wunschphantasien über das Schmugglerleben sowie durch eine Fülle an Liedern und berühmten Melodien wie Carmens ‘Habanera‘ und ‘Seguidilla‘, Josés Blumenarie und Escamillos Torero-Lied“, freut man sich in Erfurt auf die Inszenierung in französischer Sprache mit Untertiteln. Mit „An der Arche um Acht“ wird ab 11. August außerdem ein Kinderstück von Ulrich Hub mit Musik von Stephan König gezeigt.

Den Abschluss der diesjährigen Rundreise bildet Münnerstadt. Hier führen die mehr als 200 Mitwirkenden im 91. Jahr ihr historisches Volksschauspiel „Die Schutzfrau von Münnerstadt“ auf. Die farbenprächtige Inszenierung vor mittelalterlicher Kulisse wird am 26. August sowie am 2. und 9. September gezeigt. Gespielt wird das Heimatspiel seit dem Jahr 1927. Tatsächlich wurde die Stadt 1641 von den Schweden angegriffen. Die Truppen zogen unvermutet ab, der Grund wurde nicht überliefert. Bald entstand die Legende: Die Muttergottes hatte die Gebete der Münnerstädter erhört. Sie fing die Kanonenkugeln auf und der Feind floh entsetzt vor dieser Erscheinung.

INFO:
www.muhr-am-see.de,
www.kreuzgangspiele.de,
www.landestheater-dinkelsbuehl.de,
www.clingenburg-festspiele.de,
www.theater-massbach.de,
www.scherenburgfestspiele.de,
www.frankenfestspiele.de,
www.luisenburg-aktuell.de,
www.theater.bamberg.de,
www.theatertage-mildenburg.com,
www.freilandtheater.de,
www.theater-niederstetten.de,
www.sommertheater-karlstadt.de,
www.operaclassica.de,
www.residenzfestspiele.de,
www.heimatspiel-muennerstadt.de,
www.schlossfestspiele-zwingenberg.de,
www.domstufen-festspiele.de

Bildnachweis: angegeben/Georg Koeniger/Schützenhof, Hans-Peter Hösl/Scherenburg, Freilandtheater/Bad Windsheim, Florian Miedl/Luisenburg

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