Die Freilichtbühnen zeigen Klassiker der Weltliteratur, beschauen Althergebrachtes neu und lassen das Publikum lachen und weinen...

von Nicole Oppelt (erschienen in Ausgabe 7-9/2017)

Historie auf der Mildenburg: Der Text von „The Tempest“ ist wohl im Jahr 1611 fertiggestellt worden. Foto: Chris Rogl„Das Theater ist eine Schule des Weinens und des Lachens“, meinte der spanischer Dichter Federico García Lorca. Der junge Mann, der seiner Zeit zu den Erneuerern des spanischen Theaters zählte, wurde durch sein tragisches Schicksal zu einem der bekanntesten Literaten des 20. Jahrhunderts. Seinem Anspruch sowohl nach Tiefe als auch nach Heiterkeit werden die Freilichtbühnen in diesem Sommer par excellence gerecht.

Die Luisenburg Festspiele in Wunsiedel starten am 15. Juli mit „Cats“ in den dritten Teil unserer Freilicht-Übersicht. Der turbulente Ball der Katzen steht bereits seit Ende Juni auf dem Spielplan. Zu sehen noch bis zum 5. August. Nach wie vor im Programm „Die Pfingstorgel“, die noch bis 6. August zu sehen sein wird. Bis zu diesem Termin bleibt dem Publikum auch „Der Theatermacher“ erhalten. Das Familienstück „Heidi“ ist ebenfalls bis zum 6. August auf dem Spielplan. Premiere feiert hingegen die „Erste Allgemeine Verunsicherung“, die am 17. und 18. Juli erstmals auf der Luisenburg zu hören sein wird. Eine Neuaufnahme kommt überdies ab dem 9. August hinzu. „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán „(...) ist so prickelnd und belebend wie Champagner, mit Selbstironie und Augenzwinkern serviert“, urteilt man in Wunsiedel. „Die Zauberflöte“ beschließt die Sommersaison ab dem 17. August.

Im Freilandtheater Bad Windsheim herrscht hingegen weiter Camping-Stimmung. Christian Lamberts „Der letzte Sommer – Eine Endzeitkomödie“ spielt zwischen Zeltstangen und Wohnwagen. Bis zum 19. August erfahren die Zuschauer, was in einem ängstlichen Angeber und einem mutigen Mauerblümchen steckt.

Bis zum 22. Juli läuft noch William Shakespeares märchenhafte Romanze rund um das Schicksal von Prosperos und seiner Tochter, „Der Sturm“ bei den Theatertagen auf der Mildenburg. Noch einmal zu sehen ist am 22. Juli auch „Kalif Storch“. „Diese schöne Geschichte wird viel zu selten erzählt“, ist man sich auf der Mildenburg sicher.“ Das Musiktheater für Kinder ab vier Jahren ist frech und temporeich.

Die Altmühlsee Festspiele bringen mit „Ladies Night“ eine charmante und herrlich komische Geschichte über eigenwillige Männer. Foto: Altmühlsee/stageworkersDie Frankenfestspiele in Röttingen zeigen noch bis zum 13. August „Die Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht und Kurt Weill. Huren, Bettler und Ganoven bilden das Personal, mit dem Brecht und Weill 1928 ihren Welterfolg ausgestaltet haben. „Die Moritat von Mackie Messer“, das Lied von der „Seeräuber-Jenny“ oder die „Zuhälterballade“ sind heute Evergreens. Bis 10. August kann sich das Publikum über „My Fair Lady“ freuen. Der Klassiker unter den Musicals sorgt für beschwingte Stimmung im Burghof. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.“ - Nicht nur dieser Song ist so berühmt, dass man ihn mitsingen kann. Musikalisch werden diese Ohrwürmer nicht nur von einem Orchester, sondern auch von einer Band live begleitet. „Der Brandnerkaspar schaut ins Paradies“ feierte am 13. Juli Premiere. Das Volksstück von Lutz wird in Röttingen mit viel Musik ergänzt. Zu sehen bis 12. August. Am 18. Juli kommen Musikfreunde voll auf ihre Kosten, wenn Miroslav Nemec mit seiner Band den Burghof rockt. Am 30. Juli lockt außerdem ein musikalischer Abend mit dem Festspielensemble „Festspielcocktail“.

Unterdessen sind auch die Caldéron Festspiele in Bamberg in vollem Gange. Bis zum 22. Juli ist Carlo Goldonis „Diener zweier Herren“ in der Alten Hofhaltung zu erleben. Die 1745 verfasste Komödie gilt übrigens als Höhepunkt der Commedia dell’arte und gehört zu den beliebtesten und erfolgreichsten Stücken des Autors. Eine Rezension von unserem „Bamberg-Korrespondenten“ Tim Förster gibt es auch im Leporello.

Bei den 67. Bad Hersfelder Festspielen verzaubert „My Fair Lady“, für die es bereits im vergangenen Jahr viel Lob gab. So schrieb unter anderem „blickpunkt musical“: „Unter Leitung von Christoph Wohlleben spielt das Orchester mit wunderbarer Leichtigkeit, schwungvoll und gleichzeitig akzentuiert.“ Zu sehen ist das Spektakel noch bis zum 19. Juli. Noch bis zum 20. August ist die zweite Musikproduktion „Titanic“ zu erleben, ebenso wie „Martin Luther – Der Anschlag“. Übrigens: „Das Musical ist vor dem Film entstanden, in dem die Geschichte von Jack Dawson und Rose DeWitt Bukater im Mittelpunkt steht - auch die Musik ist eine andere.“ Am 15. Juli feiert Alfred Hitchcocks furioser Spionagethriller „Die 39 Stufen“ im Eichhof Premiere. Dann stehen dem Publikum halsbrecherische Verfolgungsjagden auf fahrenden Zügen, Schießereien in den schottischen Highlands und eine geheimnisvolle Unbekannte im dunkeln Hotelzimmer bevor. Gut eine Woche später, am 21. Juli, hat Arthur Millers „Hexenjagd“ Premiere - neu gelesen und inszeniert von Dieter Wedel. Achtung: Der größte Erfolg der Bad Hersfelder Festspiele seit vielen Jahren ist in dieser Saison zum letzten Mal zu sehen. Am 1. und 2. August lockt die „Italienische Nacht“ in die Stiftsruine. Der Sommerabend wird bestritten vom Hessischen Konzert- und Festspielchor, Mitgliedern des Landesjugendchores Hessen und dem Orchester Virtuosi Brunenses. Den Abschluss in Bad Hersfeld macht diese Saison ein wohlbekannter Gast. Im letzten Jahr kam er zum Konzert von Johannes Oerding als Vorprogramm in der Stiftsruine und begeisterte mit wenigen Songs nur zur Gitarre das Publikum. Am 22. August ist Max Giesinger nun Hauptakt.

Zwischen Liebe, Eifersucht, Rache und Intrigen entwickelt sich in Erfurt ein immer dramatischer werdendes Szenarium. Foto: Domstufen/Theater ErfurtNoch bis 12. August halten die Altmühlsee Festspiele die Zuschauer bei Laune. Mit „Der zerbrochne Krug - ...mal so ganz anders“, einer Komödie von Philipp Lang nach dem deutschen und viel gespielten Lustspielklassiker von Heinrich von Kleist, betritt Dorfrichter Adam seit dem 5. Juli die Muhrer Bühne. In sieben weiteren Terminen bis 22. Juli versucht er, sich die Jungfer Eve gefügig zu machen. Speziell für Jugendliche wird auf der Insel im Altmühlsee noch bis 19. Juli „Burning Love“, ein Stück in sieben Szenen vom fränkischen Altmeister Fitzgerald Kusz, gespielt. Zum 150. Geburtstag des Komponisten Paul Lincke heben die Altmühlsee Festspiele noch in den Berliner Operettenhimmel ab; auf der Seebühne im Seezentrum Gunzenhausen wird am 23. Juli - einmalig - die Operette „Frau Luna“ aufgeführt. Am 26. Juli feiert „Ladies Night“, die turbulente Komödie von Steven Sinclairauf, auf der Freilichtbühne im Bürgerhof Premiere. Bis 12. August geht es in insgesamt acht Aufführungen bei drei Freunden ohne Arbeit, ohne Plan, ohne Perspektive, die als „Die Wilden Stiere“ Männer- Striptease anbieten, um die alles entscheidende Frage „Ganz oder gar nicht?“

Und die Scherenburgfestspiele in Gemünden am Main? Turbulent bleibt es bis zum 12. August mit „Don Camillo und seine Herde“. „Kohlhiesels Töchter“ stehen gar bis zum 13. August auf dem Spielplan, ebenso wie das Familienstück „Ronja Räubertochter“. Unterhaltsame Stunden versprechen außerdem das Big Band Konzert der Sing- und Musikschule Gemünden am 17. Juli, Django Asül am 24. Juli, Heißmann & Rassau am 7. August und last but not least Rolf Miller am 14. August.

Nicht minder amüsant geht es im Theater Schloss Maßbach – Unterfränkische Landesbühne zu. Noch bis zum 30. Juli werden die Lachmuskeln mit Jean Poirets „Ein Käfig voller Narren“ strapaziert. Ab dem 5. August heißt es dann „Und ewig rauschen die Gelder“. „Michael Cooneys aberwitzige Verwechslungskomödie steckt voller Überraschungen, Situationskomik und schlagfertiger Wortspiele“, freut sich das Team um Regisseur Christian Schidlowsky.

Bei den Florian Geyer Spielen dreht sich noch bis zum 29. Juli alles um eine völlig neue, in sich abgeschlossene Episode aus dem abenteuerlichen Leben des Ritters Florian Geyer. Diesmal stehen die Aufführungen unter dem Titel „Die Macht des Blutes“.

Georg Koeniger und Birgit Süß sind erschöpft, denn „Im Himmel hängt der Segen schief“ – zusammen mit Martin Hanns bringen sie das bis 15. August auf die Schützenhofbühne. Foto: Theater Schützenhof/Martina EsserKurzweilig wird es ab dem 27. Juli im Sommertheater in Karlstadt. Inmitten der romantischen Atmosphäre des Hofriethgärtleins heißt es „Im Himmel ist kein Zimmer frei“. Was geschieht, wenn ein wohlhabender, lediger Geschäftsmann um die 50 von Petrus zurückgeschickt wird. Das bringt uns Regisseur Werner Hofmann in allerlei turbulenten Situationen und Verwechslungen näher.

Die Sommerfestspiele im Landestheater Dinkelsbühl haben in den kommenden Wochen ebenfalls noch dichtes Programm. Bis 13. August sind noch „Der gestiefelte Kater“ sowie „Ein Fall für Pater Brown“ zu erleben. „Petticoat und Minirock“ wirbeln hingegen bis zum 6. August über die Bühne. Am 17. Juli macht Kabarettist Günter Grünwald in Dinkelsbühl Station. Bis zum 20. August hat das Publikum noch Gelegenheit, sich „Ziemlich beste Freunde“ von Éric Toledano und Olivier Nakache anzusehen.

Noch bis zum 12. August versprechen die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen mit „Kiss me, Kate“, Theaterspaß voller unsterblicher Melodien. Bis zum 11. August steht für das erwachsene Publikum überdies noch „Luther“ auf dem Spielplan.

Vom 12. Juli bis 15. August hat das Theater am Schützenhof seine Pforten geöffnet. „Die Erschöpfung – im Himmel hängt der Segen schief“ lautet der heitere Titel, den das begnadete Trio Birgit Süß, Martin Hanns und Georg Koeniger hoch über den Dächern von Würzburg zelebriert.

Übrigens, seit zehn Jahren findet in Rothenburg ob der Tauber das Toppler-Theater vor der Kulisse des ehemaligen Dominikanerinnenklosters statt. Zu diesem Anlass wird seit dem 17. Juni das Stück „Toppler – oder der Versuch sich die ganze Welt untertan zu machen“ in einer neu überarbeiteten Fassung gezeigt. Zweites zentrales Stück ist die „Falsche Schlange“ von Autor Alan Ayckbourn. Darin treffen die zwei ungleichen Schwestern Miriam und Annabel nach dem Tod des eigenen Vaters aufeinander und werden prompt von seiner ehemaligen Krankenschwester erpresst. Premiere ist am 26. Juli. Auch 2017 warten wieder Gastspiele auf die Zuschauer – mit „Frankenstein“ nach Mary Shelley am 9. und 15. Juli mit Christian Klischat und „Jekyll und Hyde“ am 16. Juli nach Robert Louis Stevenson (mit Markus Grimm aus Würzburg) sind zwei Klassiker der Weltliteratur vertreten. Die Hans-Sachs- Gilde tritt am 21. Juli auf. Kostenlos ist der Eintritt, wenn die Städtische Musikschule Rothenburg am 23. Juli Ouvertüren und fast alle Arien aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ interpretiert.

Seit 1994 bringt das Theater Erfurt in jedem Jahr ein neues Stück auf den Domplatz. 2017 warten die DomStufen-Festspiele mit Giuseppe Verdis Oper „Der Troubadour“ auf. Minnesänger, Hexenverbrennung und blutige Glaubenskriege – Verdis Oper spielt in der düsteren Welt des Mittelalters. Regisseur Jürgen R. Weber sieht jedoch Parallelen zwischen dem „Troubadour“ und aktuellen TVSerien wie „Game of Thrones“ oder „Vikings“, in denen der Zuschauer mit Dingen konfrontiert wird, die im eigentlichen Leben Abscheu und Angst auslösen – aber deshalb nichtsdestotrotz faszinieren. Zu sehen ist das Spektakel vom 10. bis 27. August.

Ab dem 28. Juli stehen außerdem die Darmstädter Residenzfestspiele in den Startlöchern. Die 17. Ausgabe steht ganz im Zeichen von „450 Jahre Residenzstadt Darmstadt“ und bietet ein entsprechend abwechslungreiches Programm. Den Auftakt machen „Bill Ramsey & The European Swing Allstars“ am 28. Juli im Kollegiengebäude. Am 29. Juli dreht sich alles an gleicher Stelle um den französischen Dichter Molière am Hoftheater der Darmstädter Residenz. Dazu gibt es Musik von Jean Baptiste Jully, in Szene gesetzt von der Künstlergruppe „Compagnie en Route“. Am 30. Juli folgt ein jüdischislamischer Klangdialog mit dem „Ensemble Noisten“. Am 2. August wird auf das Jagdschloss Kranichstein gewechselt, wo das Höfische Jagdvergnügen in der Darmstädter Residenz vom „Ensemble Ars consoni“ vertont wird. Am 3. August heißt es Musik für Schloss und Hof mit „London Barock“. Am 4. August rockt „Spark“ die fürstliche Mathildenhöhe. Operette, Film und Musical: Eine musikalische Zeitreise von 1900 bis heute mit Karin Pagmar und Angelina Monti verspricht „Du sollst der Herzog meiner Seele sein!“ am 5. August. Am 6. August lockt die „Italienische Opernnacht“ mit Solisten, dem Konzertchor Darmstadt und der Darmstädter Hofkapelle auf die Mathildenhöhe. Der Abschluss am 8. August wird mit dem „Wuppertrio“ gefeiert. Sie geben Kammermusik von Carl Maria von Weber, Giacomo Meyerbeer, Carl Amand Mangold, Großherzog Ernst Ludwig und Ludwig von Beethoven zum Besten. Zu guter Letzt: Das Würzburger theater ensemble zieht es auch 2017 wieder in den Efeuhof. Und dort feiert am 19. Juli dann auch „Was ihr wollt“ von William Shakespeare Premiere. Darüber hinaus ist bis zum 6. September auch „Casablanca – Der Kultfilm als Theater-Parodie“ zu erleben.

Auf einen schönen Sommer mit vielen Tränen – ob vor Lachen oder vor Rührung!

INFO:
www.luisenburg-aktuell.de,
www.freilandtheater.de,
www.theatertage-mildenburg.com,
www.frankenfestspiele.de,
www.theater.bamberg.de,
www.bad-hersfelder-festspiele.de,
www.altmuehlsee-festspiele.de,
www.scherenburgfestspiele.de,
www.theater-massbach.de,
www.florian-geyer-spiele.de,
www.sommertheater-karlstadt.de,
www.landestheater-dinkelsbuehl.de,
www.kreuzgangspiele.de,
www.theater-am-schützenhof.de,
www.toppler-theater.de,
www.domstufen.de,
www.residenzfestspiele.de,
www.theater-ensemble.net

Bildnachweis: Luisenburg Festspiele/Christine Kaufmann, Mildenburg /Chris Rogl, Altmühlsee/stageworkers, Domstufen / Theater Erfurt, Theater am Schützenhof, Karlstadt / Sommertheater Karlstadt (teaser)

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