Das Theater Sommerhaus zeigt im Oktober Sébastian Thiérys Komödie „Als ob es regnen würde“

von Nicole Oppelt (erschienen in Ausgabe 9/2018)

„Als ob es regnen würde“ steht am 5., 6., 12. und 13. Oktober (jeweils um 20 Uhr) wieder auf dem Sommerhaus-Programm im Vogelhaus in Sommerhausen.„Geld verdirbt den Charakter“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Auch die Forschung scheint diesem beizupflichten.

„Wenn wir schnell zu viel Geld kommen, geraten wir unter Druck“, sagt etwa der Professor für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie in Wien, Thomas Druyen.

Er ist der Ansicht: „Ist unser Gehirn überfordert und mit Emotionalität überschüttet, dann öffnet sich sozusagen ein Überdruckventil.“

Der französische Autor Sébastien Thiéry wagt in seiner Komödie „Als ob es regnen würde“ (2012) genau diese Probe aufs Exempel und zeigt, dass ein unverhoffter und zudem mysteriöser Geldsegen Menschen an den Rand des Nervenzusammenbruchs – und darüber hinaus – führen kann.

Wie sich sein Gedankenspiel über „Geld & Gier“ entfaltet, fasziniert auch das Ensemble vom Theater Sommerhaus.

Sie nehmen das Publikum mit hinein in das bis dato unaufgeregte Leben von Schuldirektorin Laurence (Brigitte Obermeier) und ihres Mannes, Anästhesist Bruno (Heiko Schnierer), das urplötzlich aus den Fugen gerät. Was war passiert?

Eines Abends entdecken sie einen Geldschein in ihrer Wohnung. 100 Euro – das kann auch ein Zufall sein. Doch dabei bleibt es nicht. Tag für Tag taucht mehr auf. Ganz so, als ob es Geld regnen würde.

Anfängliches Amüsement und kleine Debatten weichen im Laufe der Zeit tiefen Zweifeln und handfesten Disputen. Schnell geraten die beiden an emotionale Grenzen.

Weinen, Schreien, Verzweiflung und Vorwürfe werden zu täglich Brot, der vermeintliche Geldsegen zum Fluch, der das Ehepaar zu paranoiden Gespenstern werden lässt.

„Vielleicht geht es genau darum, uns verrückt zu machen!“, ist sich Laurence eines Tages sicher. Ihr Mann hält dagegen.

„Wir müssen versuchen, das zu verstehen.“ Die unbeholfene Putzfrau Theresa (Ana Dyulgerova) und der dubiose Nachbar Monsieur Bedérault (Martin Hanns) tragen zur Auflösung der Situation wenig bei – im Gegenteil.

Die beiden sind innerlich zerrissen, mit ihnen das Publikum und die Szenerie an und für sich. Ein Umstand, den Regisseurin Iwona Jera gekonnt aufgreift.

Die „cool-blau-weiße“ Wohnzimmer-Atmosphäre steht im krassen Kontrast zum hysterischen Gebaren der Bewohner. Die so handfeste Thematik, die rationales Handeln erfordert, wird im teils bewusst überzogenen Spiel ad absurdum geführt.

Und schließlich treten die Akteure selbst aus dem Handlungsfeld heraus, heben das Publikum mitten hinein in die Aktion, indem Regieanweisungen fast konsequent verbalisiert werden.

Bis, ja bis die „göttliche Lotterie“ auf ihre Sintflut zusteuert.

INFO: www.theater-sommerhaus.de

Bildnachweis: Mascha Obermeier

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