Das E.T.A. Hoffmann Theater Bamberg zeigt bis zum 26. Mai eine minimalistische Fassung von Friedrich Schillers „Die Räuber“

von Nicole Oppelt

Hinter dem schlichten Bühnenbild verbirgt sich eine aufwendige Maschinerie, hinter einfach ausgestatteten Protagonisten jede Menge Zündstoff. Nichts lenkt die Aufmerksamkeit ab. Keine Requisiten, kein überladenes Bühnenbild versperren den Blick für das Wesentliche.

Selbst die Kleidung der Akteure übt sich in äußerster Zurückhaltung. Grautöne beherrschen den Raum.

Das Spiel mit Schatten und Licht, das durch die bewegliche Fassade blitzt, wird zum einzigen Begleiter.

Regisseur Robert Teufel, Dramaturg Olivier Garofalo sowie Bühnen- und Kostümbildnerin Friederike Meisel geben dem Wort den vollen Raum, lassen die Protagonisten selbst in ihren Bewegungen hinter den Stoff zurücktreten.

Sie legen die volle Konzentration auf zwei ungleiche Brüder, die sich in vielerlei Hinsicht ähnlicher sind, als es zunächst den Anschein haben mag.

Und das ist auch gut so. Denn hier geht es um viel. Zwei junge Männer ringen um Freiheit und Autonomie. Ihre Wege und ihre Charakterzüge, das ist nur allzu gut bekannt, könnten dabei aber nicht unterschiedlicher sein.

Da ist Karl, der Lieblingssohn des Vaters (Stephan Ullrich), der seine Braut Amalia (Anna Döing) in einem ihm verhassten Umfeld zurücklässt und als Student in Leipzig zunächst das Leben in vollen Zügen ausschöpft.

Auf der anderen Seite sein Bruder Franz, der sich missverstanden und ungeliebt fühlt. Beide geraten auf der Suche nach Besserung auf die schiefe Bahn.

Der in der Ferne verzweifelte Karl wird zum Anführer einer mordenden Räuberbande. Franz hingegen spinnt eine fürchterliche Intrige und zerschneidet das Band zwischen Vater und Bruder. Anfang 20 war Friedrich Schiller, als er „Die Räuber“ und damit seine offene Kritik am herrschenden Feudalsystem verfasste.

Die gut fünfstündige Uraufführung seines Dramas 1782 in Mannheim sorgte für tumultartige Szenen.

Die Darbietung löste einen Skandal aus, machte den Autoren aber über Nacht berühmt. Seine Sprache war laut, lärmend und unerhört – erschreckend, provozierend und herausfordernd.

In Bamberg versteht man „Die Räuber“ nicht als Revolutionsdrama. Einzig die Freiheit steht im Vordergrund – und macht „Die Räuber“ auf einen Schlag wieder brandaktuell.

Franz, bis ins Mark dringend diabolisch gegeben von Bertram Maxim Gärtner, als Paradebeispiel eines fehlgeleiteten Aufklärers, dessen Denken und Handeln nicht zuletzt aufgrund seines adeligen Standes nicht frei sind und der stattdessen egoistisch und ohne jegliche Moral handelt.

Und Karl, nicht minder ergreifend dargeboten von Daniel Seniuk, der sich vor seinen Verpflichtungen flüchtend als Hauptmann einer Räuberbande zwar frei wähnt, doch sich ebenfalls vor den dort herrschenden Regeln beugen muss und in dieser Position väterliche Handlungsweisen reproduziert.

Beide sind Nihilisten – ob passiv wie Franz oder aktiv wie Karl. Ein Umstand, der die Brüder in die Gegenwart holt.

Denn Nihilismus ist auch ein Phänomen unserer heutigen Gesellschaft, in der die Freiheit abermals verloren zu gehen scheint und dringend neuer ethisch-moralischer Impulse bedarf.

INFO: www.theater.bamberg.de

Bildnachweis: Martin Kaufhold

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