Theater Augenblick erinnert mit „Eine Frage der Zeit“ an die Muße

von Pat Christ (erschienen in Ausgabe 11/2017)

Auch wenn es sich um eine bedrückende Thematik handelt, garantiert das „Theater Augenblick“ viele unterhaltsame Momente.Unser Alltag wird hektischer, immer mehr muss in immer kürzerer Zeit erledigt werden. Eine beklemmende Entwicklung.

„Gleichzeitig häufen sich die Seminare zur Stressreduzierung, Achtsamkeitstrainings boomen“, sagt Stefan Merk vom „Theater Augenblick“.

Im neuen Stück „Eine Frage der Zeit“ setzt sich das Lengfelder Ensemble seit dem 10. November mit der Beschleunigung auseinander. Ist „Zeitnot“ denn ein Thema, das auch Menschen mit geistigem Handicap umtreibt?

Die Frage drängt sich auf, haben wir doch die Vorstellung, dass Menschen mit einer Behinderung noch in einer anderen, etwas entspannteren Welt leben. „Genau diese Auseinandersetzung ist die Grundlage des Stücks“, erklärt Merk.

Menschen mit kognitiven Einschränkungen lebten in der Tat meist noch abseits des Beschleunigungswahns: „Viel mehr als wir im Moment, im Hier und Jetzt.“ Dennoch merken auch sie, dass sich die Umwelt um sie herum verändert, der Druck immer größer wird: „Der behinderte Mensch muss zum Beispiel schnell und effizient gepflegt werden.“

In „Eine Frage der Zeit“ gibt es ein Dorf, in dem die Menschen noch viel Zeit haben. Zeit, ganz nach ihren Wünschen und Fähigkeiten zu leben.

Doch auch dieses Bollwerk gegen die zunehmend verdichtete Kommunikation und ständige Verfügbarkeit soll nun fallen. Ein IT-Unternehmen plant, das Dorf informationstechnisch zu erschließen. Womit die Dorfbewohner in die Gefahr geraten, ihre Identität zu verlieren.

„Eine Frage der Zeit“, so Merk, will an die vergessene Kulturtechnik der Muße erinnern. Im Moment zu sein, langsam zu sein, das Leben zu genießen und einfach mal gar nichts zu tun – diese Botschaften lassen sich aus den Szenen herauslesen.

Entwickelt wurde das Stück von Merk zusammen mit Janine Schellein. Als Gastschauspieler konnte Rainer Appel gewonnen werden.

Bildnachweis: Pat Christ

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