Der Verlag hinter Leporello und Leporellino
Künstler sind Helden
„Künstler sind Helden. Die Gesellschaft
braucht uns.“ Jonathan
Nott, Chefdirigent der Bamberger
Symphoniker, fasst selbstbewusst
zusammen, worum es an diesem
Abend in der Bamberger Konzerthalle
geht: Die gesellschaftliche
Leistung von Künstlern,
Kulturschaffenden und Wissenschaftlern
zu würdigen, ihnen eine
Bühne zu geben und sie nicht
zuletzt durch ein sattes Preisgeld
von insgesamt 170.000 Euro zu
unterstützen. Seit 2005 wird der
E.ON Kulturpreis in Zusammenarbeit
mit dem B ayerischen
Staatsministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kunst
verliehen.
Wie ein Wanderpokal findet die feierliche Veranstaltung jedes Jahr in einem anderen Bezirk statt, 2010 in der Konzertund Kongresshalle Bamberg. Neben den besten Abschluss- und Doktorarbeiten an bayerischen Fachhochschulen, Kunsthochschulen und Universitäten wird in der Sparte Kultur je ein Künstler pro Regierungsbezirk prämiert. Den Anfang macht Heinz Badewitz, der Leiter der Internationalen Hofer Filmtage. Dass dieses renommierte Filmfestival entstand, verdanken Cineasten einem Zufall. Die junge Filmgruppe zog 1969 nur deshalb in ein Hofer Kino, erzählt Badewitz, „weil uns Langhaarige in München niemand haben wollte“. Und dass sich aus dem einmaligen Event ein nun seit 44 Jahren bestehendes Festival entwickelte, ist den Filmschaffenden selbst zu verdanken, die für ihre Plattform kämpften.
Mit dieser langen Geschichte ist Badewitz nun der dienstälteste Festivalchef in Europa – und stets auf dem Sprung: Nachdem er den „Geistesblitz“- Preis in Empfang genommen hat, muss er auch schon wieder zurück nach Hof, selbst Preise verleihen. Der Preisträger aus Unterfranken wusste nicht einmal, dass sein Beruf tatsächlich zur Kultur zählt, und kokettiert in fränkischer Bescheidenheit: „Dass des mal jemand mitkricht hat, dass es mich gibt!“ Dass es mit Michl Müller einen bemerkenswerten Neuen in der Riege fränkischer Kabarettisten gibt, wissen nicht nur Franken spätestens seit seinem Auftritt bei der Veitshöchheimer Fastnacht 2010. Bei dem selbsternannten „Dreggsagg“ aus der Rhön wird, so sein Laudator Richard Loibl, „Weltgeschehen auf den Punkt gebracht und aus fränkischer Sicht dargestellt“. Und diese Klarsicht macht nicht einmal vor den Gastgebern halt: „Eine Wärm ist da herin“, feixte der frischgebackene Preisträger über die E.ON-Veranstaltung, „Da merkste, die ham's!“ Aus Mittelfranken ist eine Gruppe Musiker angereist, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, „dem Elfenbeinturm der klassischen Musik zu entkommen“ – das ensemble-Kontraste. In ihrem Programm mixen sie anspruchsvolle Kammerabende mit außergewöhnlichen Theaterprojekten wie einer Puppenspielinszenierung von Mozarts „Zauberflöte“.
Der Preis ist auch ein Jubiläumsgeschenk: Das innovative Ensemble feiert 2010 seinen zwanzigsten Geburtstag. Eine verdiente Würdigung war dieser Abend für ausgezeichnete Wissenschaftler und Künstler. Schön zu sehen, wie Jonathan Nott formuliert, „dass Kunst und Kultur Hand in Hand gehen können mit Wirtschaft und Politik. Trotz aller Differenzen.“
INFO: Müller kann man am 8.Dezember mit seinem neuen Programm „Schluss Aus Fertig!“ live im Bockshorn erleben. Karten gibt es ab sofort unter Telefon 0931.4606066. Weitere Infos: www.bockshorn.de




