Der Verlag hinter Leporello und Leporellino
Aufbäumen gegen das Unsagbare
Eigentlich hat er als Komponist der Piaf die größten Erfolge gefeiert: Norbert Glanzberg (1910- 2001), Würzburger Kulturpreisträger, Schüler von Hermann Zilcher und einst am Stadttheater tätig. Die Naziherrschaft aber brach eine viel versprechende Musikerlaufbahn ab: Glanzberg, Jude, floh aus Berlin, wo er für Billy Wilder und die Comedian Harmonists arbeitete, nach Paris, von dort vor der Verfolgung an die Côte d’Azur, schlug sich als Klavierbegleiter durch und lernte so die Piaf kennen, schrieb für sie bekannte Chansons wie „Padam, Padam“, wurde gerettet und arbeitete nach dem Krieg für Yves Montand und Tino Rossi, entwarf Klingendes, etwa für Filme, zum Lebensunterhalt. Erst im Alter konnte er sich seiner Leidenschaft, der Komposition „klassischer“ Musik zuwenden. Angeregt zu den Werken auf der vorliegenden CD hatte ihn die Lektüre der Gedichtsammlung „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ und der Bücher von Isaac Bashevis Singer. Zwar schrieb er sie für Klavier, eigentlich aber waren sie orchestral gedacht. Daniel Klajner, ehemals Würzburger GMD, heute Chefdirigent des Orchesters der Straßburger Oper, orchestrierte die Lieder, dazu angeregt von Glanzberg anlässlich eines Festkonzerts in dessen alter Heimatstadt Würzburg. Basierend auf den Erzählungen und Erinnerungen seiner Mutter schuf Glanzberg 1984 die Suite Yiddish. Das Orchestre de Mulhouse spielt sie nun unter Klajner mit Saft und Kraft. Auch die sanft-melancholischen Seiten dieser sehr eingängigen, oft schmissigen siebenteiligen Suite kommen gut zum Tragen. Anders die delikaten Holocaust-Lieder. Sie werden ergreifend und doch nie sentimental interpretiert von Roman Trekel. Glanzberg hatte sich zwölf ganz unterschiedliche Lieder ausgewählt. Schon anfangs wird das innerlich Zerrissene, vorwurfsvoll Anklagende spürbar. Auch später verdeutlicht die einfühlsame Wiedergabe durch den ausgezeichneten Bariton das Aufbäumen gegen das eigentlich Unsagbare. In anderen Liedern, etwa „Versprich mir eins…“ hört man trotz des Schmerzes auch Hoffnung heraus. Ganz besonders eindrucksvoll entfaltet sich die füllige, angenehme Stimme Trekels in den eher ruhigen, melancholisch bestimmten Liedern, etwa in dem traurig- tröstlichen „Alter Baum“, einem Lieblingslied von Glanzberg. Die Liedfolge schließt mit „Abschied“, ratlos, einsam, letztlich aber, so wie es der Kosmopolit Glanzberg sich wünschte, trotz allem versöhnlich.




