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Waschechte Gefühle in der "Garderobe Nr 1"

Umjubelte Musical-Revue von Ivan Alboresi in der Kammer des Mainfranken Theaters Würzburg

von Renate Freyeisen (erschienen in Ausgabe 10/2011)

Die „Garderobe Nr. 1“ ist reserviert für den Star eines Ensembles.

In der umjubelten Musical-Revue für zwei Sängerinnen von Ivan Alboresi, von ihm selbst inszeniert in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg, ist das ein heller Ort mit einem Paravent zum Umziehen, dekoriert mit Fotos der selbstbewussten Diva, die bald in einem pompösen Auftritt hereinrauschen wird.

Hier entfaltet sich zu bekannten, aber auch weniger eingängigen Musical-Melodien ein Zickenkrieg zwischen der erfahrenen Bühnenheldin und einer unsicheren Aspirantin, die sich mit dem Vorsingen um eine freie Stelle bewerben will.

Am Ende aber mündet er in eine fulminante gegenseitige Selbstdarstellung in Tanz und Gesang, als nämlich die so unterschiedlichen Damen unter eher tragischen Umständen zusammenfinden – die eine ist abserviert, gekündigt, die andere gar nicht für die Stelle angenommen. Der Grund für die letztlich glückliche Allianz zweier Abgewiesener ist natürlich die Liebe.

Der langjährige Star des Musical-Unternehmens, Paola Fraschetti – eigentlich Paula Huber - , liiert mit dem Intendanten, wurde plötzlich von einer Jüngeren abgelöst, auf der Bühne und im Bett. Sylvie Dorn aber, die aus Versehen in die Garderobe Nr. 1 gerät, hat gar keine Chance auf eine Anstellung, scheint in ihrem korrekten Kostümchen einfach nur gehemmt. Beide Unterhaltungskünstlerinnen aber sind sich bewusst: Sie können viel (mehr), doch will sie keiner (mehr) haben.

Also schließen sie sich zusammen, um gemeinsam die Bühne zu erobern nach dem Motto „Allein wär’ ich gar nichts“. Zwar messen sie ihr Können noch gegenseitig, Paola in einem furiosen Medley aus vielen Musicals, Sylvie in der nur so dahinwirbelnden Nummer „Alles was du kannst, das kann ich auch!“, aber sie nähern sich einander immer mehr an, schwungvoll auf dem Klavier eingestimmt und begleitet durch Jeremy Atkin.

Per Video erfährt der Zuschauer, dass der Liebhaber Paola abserviert hat; sie stürzt sich auf die schlechte Nachricht hin trotzig in einen Kostümrausch, Sylvie imponiert mit katzengeschmeidigem Tanz; als aber der rote Teppich ausgerollt wird, können beide ganz locker in schwarzen Glitzer-Anzügen ihre neue gemeinsame Nummer präsentieren.

Trauer, Glück und Glanz liegen bei einem Bühnendasein eben eng beieinander. 80 Minuten lang erlebte das begeisterte Premierenpublikum dieses Wechselbad echter und unechter Gefühle, amüsierte sich dabei jedoch köstlich.

Denn Anja Gutgesell als Sylvie, blond, zierlich, unglaublich beweglich, mit heller, kecker Stimme bis in die höchsten Höhen, und Barbara Schöller als Paola, brünett, mit großer Bandbreite der sängerischen Gestaltung, eine souveräne Diseuse von weiblicher Ausstrahlung, waren zwei sich ergänzende Gegenpole.

Das gab der Revue auf kleinstem Raum Spannung und Charme und entzauberte so ganz nebenbei die Illusion von der leichten (und doch so schweren) Muse.

INFO: In der Kammer des Mainfranken Theaters. Karten unter 0931.3908-124, www.theaterwuerzburg.de

Bildnachweis: Gabriela Koch

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