Der Verlag hinter Leporello und Leporellino
"Stücke schreibt man mit den Füßen"
"Ich bin eine mitteleuropäische Promenadenmischung". Fitzgerald Kusz hat ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn er Rückschau hält. Sich auf Kinderjahre, Jugend-, Studentenzeit und die Anfänge seiner schriftstellerischen Arbeit besinnt. Auf der einen Seite die ungarischen Großeltern, der Großvater Pianist, der Vater Sänger, der unter anderem unter Gustav Gründgens an der Berliner Lindenoper auf der Bühne steht. Der Krieg verschlägt den Bariton ins Fränkische, dahin, wo die Mutter lebt, wo die Großmutter ihren ausdrucksstarken Dialekt spricht.
Eine Gegenwelt zum großstädtischen Berlin. Hier, im Mittelfranken, wird 1944 Rüdiger geboren, der sich später Fitzgerald umbenennen wird ("Du brauchst einen Namen, der more sophisticated klingt. Mit diesem Namen wirst Du nie was", witzelten seinerzeit die Kommilitonen des Germanistik- und Anglistikstudenten). Lehrer wollte Kusz eigentlich werden. Nie Schriftsteller. Obwohl er schon während der Schulzeit seine Beobachtungen in Wörter, in Dreizeiler, in Szenen fasst. Dann kommt Peter Handke zu einer studentischen Veranstaltung nach Erlangen. Im Rahmenprogramm deklamiert Kusz unter dem donnernden Applaus seiner Zuhörer eigene Gedichte. Ein gewonnener Lyrikwettbewerb und ein Konflikt in Liebesdingen, der sich in einer fränkischen "Schimpfrede" entladen kann, ermuntern ihn zum Schreiben und Veröffentlichen ("Ich habe nie für die Schublade geschrieben"). Bald wird man auch außerhalb Erlangens auf den aufmüpfigen "Pop-Art-Poeten" aus Franken aufmerksam, der - in Dialekt verpackt - Lyrik kreiert und, im Agit-Pop-Ton Sozialkritik übt. Solange er Lehrer ist, bis Anfang der 80er Jahre, schreibt Kusz zweigleisig, als Mundart und Hochdeutsch. Dann verlässt er den Schuldienst, entscheidet sich für eine Zukunft als freier Schriftsteller. Mit "Schweig, Bub!" (1976) wird er einem breiten Theaterpublikum im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. Ein großer Erfolg in Dortmund bestätigt den Autor in dem, was er schon immer spürt: Die Rückkoppelung ans Publikum ist im Dialekt wesentlich größer als in Hochdeutsch. Kusz schreibt mehr und mehr in Mundart. In jungen Jahren erlauscht er sich seine Themen im Umfeld, aus den Tragödien des Alltags entstehen kraftvolle, direkte Komödien. Heute hat er genug gelauscht, Lebenserfahrung und Wissen sind der Boden, auf dem seine Arbeit gedeiht. "Das Wichtigste für einen Dramatiker wie mich ist es, viel zu lesen", lächelt Kusz. Das gibt Anregung für Szenenfragmente, Dialoge und Entwürfe. Vor allem englische Schriftsteller gehören zur regelmäßigen Lektüre des dreifachen Vaters. Und sollte ihm für einen kurzen Moment die Schreibe mühsam werden, dann hält sich Kusz an Heiner Müllers Aussage: "Stücke schreibt man mit den Füßen" und läuft ein paar Mal um den in der Nähe seines Wohnorts gelegenen Dutzendteich.
Heute wird der vielfach preisgekrönte Autor Fitzgerald Kusz weltweit gespielt. Verlage, Film, Fernsehen und Rundfunk sorgen für die Verbreitung seiner Werke, Neues ist in der Mache und wird auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zu entdecken sein.




