kunstvoll verlag Der Verlag hinter Leporello und Leporellino

Anfänge bereit halten

Der Kinder- und Jugendbuchautor Rudolf Herfurtner über das Schreiben

von Klaus Gasseleder

Der Autor Rudolf Herfurtner umringt von jungen Zuhörern in Volkach.Der wasserscheue Willibald entdeckt, dass der Mensch mangels Schwimmhäute ja gar nicht zum Aufenthalt im Wasser geeignet und außerdem nicht wasserdicht sei. Mit solchen witzigen Einfällen bringt Rudolf Herfurtner seine zehnjährigen Zuhörer immer wieder zum Lachen. Wenig später kann er in Volkach den Großen Preis der dort ansässigen Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur entgegen nehmen.

Doch Herfurtners Schaffen beschränkt sich nicht auf das Verfassen von Kinderbüchern. Mit dem 1947 im Wasserburg/Inn Geborenen wurde ein ausgesprochener Allrounder im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur geehrt, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der Szene als Buchautor für nahezu alle Altersklassen, als Theaterautor, Drehbuchschreiber, sogar als Librettist für Kinderopern tätig ist.

Schreiben ist für Herfurtner mittlerweile zum Handwerk geworden, dem er zu festgesetzten Tageszeiten in seinem Münchner Schreibbüro regelmäßig nachgeht, ein Handwerk, das ihn immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. So bei der Umsetzung von Büchern in Stücke oder Filme oder bei der Verwendung ungewöhnlicher literarischer Formen wie bei seinem in Arbeit befindlichen Jugendbuch, in dem in Hexameter-Versen erzählt wird. Nicht immer stand für Herfurtner der handwerkliche Bereich im Vordergrund. Die schriftstellerischen Anfänge des damals 23-jährigen lagen eher im Bereich der Pubertäts- und Problemgeschichten. Eigene Erlebnisse, die Traumata einer Heimschulkindheit etwa, waren zu verarbeiten. In einer Zeit, in der Kinderbuchverleger und Kritiker ohnehin Heile-Welt-Geschichten verwarfen, waren seine eher pessimistischen Bücher auf dem Jugendbuchmarkt gefragt.

Hoffnung gewähren

Die Zäsur in seinem Schaffen brachte für Herfurtner die Geburt der mittlerweile 21 jährigen Tochter Hanna, für ihn war sie die "Wandlung vom Kind zum Vater". Nicht nur, dass er lernte, sein Kind in den verschiedenen Altersstufen schreibend zu begleiten, Herfurtners Geschichten wurden nunmehr hoffnungsvoller. Es finden sich dort stets vollständige Familien, die Kinder werden in ihren Ängsten nicht alleine gelassen. Dennoch spielen seine Bücher nicht auf einer rosa Wolke, die Gratwanderung zwischen Problemorientiertheit und dem Gewähren von Hoffnung gelte es, für den Kinder- und Jugendbuchautor zu bewältigen.

Mittlerweile kann Herfurtner vom Schreiben "gut leben", muss nicht mehr erleben, dass ein Manuskript keinen Verlag findet. Seine ursprünglichen Träume, ein Autor für "Verwachsene" (Herfurtner) zu werden, hat er aufgegeben, entdeckt, dass das Schreiben für Kinder das ihm gemäße Genre darstellt, das er beherrscht. Er möchte nicht "aus einem blauen Stoff grüne Kleider machen." Dennoch gebe es Bücher, die er einfach schreiben "müsse", um sich mit dem Kind in sich, dem Kind, das er selbst nicht hat sein dürfen, auseinander zu setzen.

Lesen als pädagogische Maßnahme? Gewiss nicht, um Botschaften zu vermitteln, wenngleich diese dosiert auftreten können wie in seinem Ökoroman "Das Muschelkind", aber doch, um sprachliche Fähigkeiten der jungen Leser zu erweitern. Es käme darauf an, so Herfurtner in einem Aufsatz, "beidhändig" zu schreiben, die Kinder auf verschiedenen Ebenen anzusprechen. Vor allem gehe es darum, ihnen zu zeigen, dass in der Literatur ihre eigenen Geschichten verhandelt würden, die sie weiterschreiben könnten. So wie Rudolf Herfurtner gleich zu Beginn unseres Volkacher Gesprächs resümiert: Kinderbücher sollen kein Ende haben, sie sollten Anfänge bereit halten.

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