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Weniger ist mehr…

Im Gespräch mit dem Weingutsdirektor des Staatlichen Hofkellers Michael Jansen

von Nicole Oppelt (erschienen in Ausgabe 11/2011)

Als Michael Jansen, Weingutsdirektor des Staatlichen Hofkellers, am Ende der Erntebilanz 2011 angelangt und die Auswirkungen einer sich verändernden Natur ebenfalls diskutiert sind, schweifen seine Gedanken in Richtung Dänemark und Norwegen.

Auch dort ist mittlerweile Weinbau möglich. Ein untrügliches Zeichen für den Wandel. Doch Skandinavien ist weit weg von Franken. Und hier hatten es die Winzer Anfang Mai mit einer „Nacht des Grauens“ zu tun. Der Frost schlug mancher Orts erbarmungslos zu und hinterließ nichts als braune statt tags zuvor noch sattgrüne Weinberge.

„Der Hofkeller ist auf Grund seiner Größenordnung von 120 Hektar und dieser großen Streubreite von Alzenau, von Hörstein bis in den Steigerwald partiell stark betroffen gewesen“, erinnert sich Jansen an diese außergewöhnliche Situation. Das Erstaunliche sei jedoch nicht die Kälte an sich gewesen. Es war vor allem der Wind, der diese durch die Weinberge getrieben habe.

Dann die erste Bilanz: Der Steigerwald hatte überhaupt nichts abbekommen. Hammelburg verlor um die 50, Randersacker etwa 40 Prozent. „Dann gab es noch ein Weinbergsgebiet am Untermain, Dorfprozelten, dort hatten wir Frost und Hagel. Da kam es zum Totalausfall.“ Der Staatliche Hofkeller hat insgesamt mit 35 bis 40 Prozent Ausfällen zu kämpfen.

„Uns fehlt Wein. Wir sind aber trotz allem mit einem blauen Auge davon gekommen“, so der Weingutsdirektor, der nichtsdestotrotz eine gehörige Portion Optimismus ausstrahlt: „Wir haben so viel, dass wir jetzt starten können. Und wir haben vor allem erstklassige Weinqualitäten. Wir haben einen super Weinjahrgang eingefahren“, zeigt er sich stolz.

Jetzt könne man sich so weiter entwickeln bis in den nächsten Herbst hinein und müsse dann mit dem 2012er wieder die Lücke schließen, die man jetzt vielleicht mit dem 2011er habe. Bei allen Rückschlägen sticht in diesem Jahr jedoch einer heraus: „Der Silvaner hat die Krone abgeschossen.

Er ist bis heute noch kerngesund“, weist Jansen auf das Glück im Unglück hin. Im Stein hinge noch immer etwas für eine Trockenbeerenauslese oder einen Eiswein. Er sei in diesem Jahr in einem perfekten Reifezustand in den Keller gekommen, so dass heute schon gesagt werden könne: „Nächstes Jahr gibt es für relativ wenig Geld viel Weingeschmack.“

Für die Zukunft rät er sich dennoch auf neue Begebenheiten im Bereich Niederschläge, Sonneneinstrahlung, Wärmespitzen, wärmere Herbste und neue Krankheiten einzustellen. Eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft ist da unerlässlich.

INFO: „Ab Mitte November gibt es die ersten 2011er: Einen Rotling, einen Bacchus und eine Scheurebe“, freut sich Weingutsdirektor Michael Jansen auf die ersten Tropfen. Auch für die Weihnachtszeit hält die Vinothek etwas Besonderes bereit: einen 2010er Spätburgunder Rosésekt.

Bildnachweis: Staatlicher Hofkeller

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