Arthur Steinmann ist neuer Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes und setzt auf Tradition und Moderne

von Renate Freyeisen

Bei der endgültigen Abstimmung zum Weinbaupräsidenten setzte sich Arthur Steinmann gegen Oskar Noppenberger durch.

Offen, freundlich und bestimmt – so der erste Eindruck von dem für vier Jahre neu gewählten Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann. Er steht von Herkunft und Zielsetzung für Tradition und Moderne. Wohnsitz und Weingut befinden sich im Pastorius-Haus am Plan in Sommerhausen. Das umfriedete Anwesen stammt von 1619 und gehörte einst dem 1. deutschen Auswanderer nach Amerika, Franz Daniel Pastorius (1655-1720), der als Humanist eine Protestschrift gegen die Sklaverei verfasste. Steinmanns Großvater kaufte 1916 das Haus; die Familie ist traditionell im Weinbau tätig. Enkel Artur ist im Bewusstsein seiner historischen Wurzeln stets dem Innovativen aufgeschlossen. Er rief 1996 die Vereinigung Frank & Frei ins Leben, der mittlerweile 17 Weingüter angehören. Sie hatte zum Ziel, wie man mit weniger Ertrag höhere Qualität erzeugen könne; so hatte das „Studienobjekt“, der „alte“ Müller-Thurgau vorher eine eher blumige, der „neue“ eine spritzige, helle Note; gerade das wurde von jüngeren Konsumenten geschätzt. Erfolgreich laufen nun auch Rotwein und Secco. Das soll Beispiel geben für den Weinbauverband, der ca. 5 ½ Tausend Mitglieder zählt und für den Weinbau in ganz Bayern, auch für die kleinen Anbaugebiete in Regensburg und am Bodensee zuständig ist. Bei der EU-Weinmarkts-Reform sieht der neue Präsident nicht so schwarz wie manche: „Man muss die Chancen nur erkennen und nutzen!“ Und die Trends bei den Rebsorten zeigen, dass Neuzüchtungen und neue Geschmacksrichtungen, entstanden auf der Suche nach ertragreichen und frostharten Reben, heute weniger gefragt sind. Man geht wieder zurück zum autochthonen Silvaner, in guter, abgesicherter Qualität, und diese möglichst im Bocksbeutel. Daneben haben sich Bacchus, Scheurebe, Rieslaner und auch der Cuvée etabliert. Steinmanns Credo: „Nicht so viel umkrempeln, sondern Gutes verstärken!“ Ganz wichtig: die Qualitätsprüfung, das unverwechselbare Profil. Als Schwerpunkt seines künftigen Amtes sieht er die Ausweitung der Märkte, also den „Vermarktungsgürtel“ des Frankenweins von etwa 200 km auszuweiten bis nach Bremen, Hamburg oder NRW. Natürlich gehören auch moderne Vinotheken zur zeitgemäßen Strategie, wie das „Divino“ in Nordheim, das Oskar Noppenberger, Steinmanns Mitbewerber um den Weinbau-Vorsitz und nun einer seiner vier Vizepräsidenten, ins Leben gerufen hat. Doch Wein ist nicht alles für den 54-jährigen Ehemann und Vater dreier gesunder Kinder. Seit 1995 ist er für die Muskoviszedose-Hilfe e.V. der verstorbenen Christiane Herzog tätig, hat immer wieder Benefiz-Veranstaltungen initiiert, um Geld für die an einem unheilbaren Gen-Defekt Erkrankten zu sammeln; auch seinen eigenen 93-er „Super-Wein“ hat er dafür eingesetzt. Der soziale Einsatz für die Gesellschaft ist dem Rotarier eben wichtig.

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