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Noch lange nicht gut

Kunstaktion der Diözese Würzburg bietet Menschen mit Handicap ein kritisches Forum

von Pat Christ (erschienen in Ausgabe 11/2010)

Die von Menschen mit Handicap gestalteten Stühle drücken ihr situationsbedingt „besonderes“ Lebensgefühl aus.Die Beine des fliederblau bemalten Stuhls sind abgesägt. Links blieben nur noch Stummel übrig, rechts sind sie etwas länger. Schief steht er da, der Stuhl. Die Bibel auf ihm droht herunterzurutschen. Da ist etwas gewaltig in Schieflage gekommen, sagt das von einem behinderten Künstler gestaltete Kunstobjekt aus.

„Nimm Platz!“ nennt die Behindertenseelsorge der Diözese Würzburg eine Kunstaktion, die - unter anderer Überschrift - in einigen deutschen Bistümern bereits gelaufen ist. Bis Jahresende können sich Einzelpersonen oder Gruppen behinderter Menschen aus Unterfranken mit einer konkreten Idee um die Gestaltung eines Holzstuhls bewerben. Für den 9. Februar ist die Auftaktveranstaltung des Projekts im Museum am Dom geplant. Bischof Friedhelm Hofmann wird dabei die Stühle an die Wettbewerbsteilnehmer übergeben. Bis Juli kommenden Jahres ist Zeit zum Designen. Beim Vinzenztag im September 2011 werden die Kunstwerke juriert, die besten Stühle erhalten einen Preis. Erwartet werden ungewöhnliche und kritische Beiträge zu den Themen „Integration“ und „Inklusion“.

Seit sich die Bundesregierung im März 2009 verpflichtet hat, die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umzusetzen, sollte ein Miteinander von Bürgern mit und ohne Handicap selbstverständlich sein. Die Realität schaut freilich anders aus. Behinderte Menschen haben weiterhin deutlich schlechtere Chancen, ihre Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt einzubringen. Auch in puncto Bildung steht längst nicht alles zum Besten. Nach wie vor existieren Sonderbeschulungssysteme. Im täglichen Leben stoßen behinderte Menschen ebenfalls oft auf Barrieren. Mit ihrer Kunstaktion will die Diözese Würzburg Menschen, über die viel geredet wird (derzeit nicht zuletzt unter Kostengesichtspunkten), ein Forum geben, wo sie über sich und ihre Situation sprechen können. Die Stühle laden ein, Platz zu nehmen. Eine von den behinderten Menschen gewählte Perspektive einzunehmen. Und für einen Moment wahrzunehmen, wie sich diese Perspektive anfühlt.

INFO: Weitere Informationen unter www.nimm.platz.bistum-wuerzburg.de

Bildnachweis: Pat Christ

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