kunstvoll verlag Der Verlag hinter Leporello und Leporellino

In bester Wasserlage

Wanderausstellung “Im Fluss. Binnenhäfen am Main” bietet Ankerplätze in Marktsteft

von fk (erschienen in Ausgabe 5/2010)

In Marktsteft im Landkreis Kitzingen liegt Bayerns ältester Binnenhafen.Überall entlang des Mains wurden im vergangenen Jahrzehnt brachliegende Hafenareale und Flussländen wiederentdeckt: Viele Städte erkannten in ihrer Lage am Fluss neue zukunftsweisende Entwicklungschancen; Uferpromenaden wurden angelegt, historische Speichergebäude erhielten öffentliche, meist kulturelle Nutzungen und regelmäßige Events locken alljährlich große Besuchermengen an den Main.

Bei den umgestalteten und neu genutzten Arealen handelt es sich nicht selten um historische Gewerbegebiete, vor allem um Häfen und Länden aus der Zeit einer blühenden Mainschifffahrt zwischen dem späten 18. und dem frühen 20. Jahrhundert. Die zwangsläufig in bester Wasserlage stehenden Überreste der damaligen Verkehrs- und Transportlogistik, wie Ladekräne, Speicherbauten oder Hafenbecken, gelten heute als erhaltenswerte Industriedenkmäler. Eines der bedeutendsten Denkmäler dieser Art befindet sich in Marktsteft: Unverändert blieb hier das älteste Hafenbecken Bayerns erhalten.

Für das Museum für Stadtund Familiengeschichte Marktsteft war dieser Hafen Anlass, um in einer Kooperation mit dem Lehrstuhl für Europäische Ethnologie /Volkskunde der Universität Würzburg eine Wanderausstellung zu erstellen, die bis 31. Oktober in den Marktstefter Museumsräumen zu sehen ist und dann in Hafenorten entlang des Mains gezeigt werden soll. Die Ausstellung fragt nach der Entstehung der Flusshäfen und nach der Rolle, die sie zu Blütezeiten für die städtische Entwicklung spielten. Sie zeigt das Treiben in den Hafenvierteln, die Schiffe an den Anlegestellen, die Waren und Passagiere, die von Bord gingen oder verladen wurden, aber auch die Menschen, die von und mit der Flussschifffahrt lebten.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Strukturwandel hin zur aktuellen Mainschifffahrt, der mit dem Niedergang vieler kleinerer Häfen verbunden war und so die Industriebrachen schuf, in die heute wieder neues Leben einzieht. Mit Unterstützung engagierter Studierender und dem Know-How des Ausstellungsbüros FranKonzept entstand eine Wanderausstellung, die neben Texten, Bildern und Exponaten auch Klang- und Videoinstallationen zeigt und sich so ihrem Thema auf eine abwechslungsreiche und überraschende Weise nähert.

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