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Handwerk

Sieglinde Bösl betreibt seit 30 Jahren ihre Werkstatt in Essfeld

von Petra Jendyssek (erschienen in Ausgabe 3/2010)

Höchste Konzentration und viel Fingerspitzengefühl ist beim Drehen von Sieglinde Bösl gefordert.Sie liebt das Zupacken. Wenn Sieglinde Bösl mit beiden Händen in die Gartenerde oder ihren Ton in der Werkstatt greift, ist sie in ihrem Element: Das Material in den Händen kneten, geschmeidig werden lassen, formen, ihm die gewünschte Gestalt geben. Das war früher schon so, als sie auf dem elterlichen Bauerhof gerne immer selbst mit anpackte, erinnert sich die Keramikerin, die sich nicht vorstellen könnte, etwas anderes zu machen: Gebrauchsgegenstände wie Vasen, Geschirr, Kerzenständer, Lampenaufsätze, aber auch große Übertöpfe für den Garten, Brunnen für drinnen und draußen, Grabstelen oder die in ihrer Werkstatt selbst hergestellten Kacheln für die von ihrem Mann Lukas und ihr individuell geplanten Grundöfen. Das Spektrum ist also breit angelegt.

Schnörkellos

In Sieglinde Bösls Werkstatt und Ausstellungsraum im Giebelstädter Ortsteil Essfeld schweift der Blick über schnörkellose, in ihrer Formgebung eher zeitlose Gefäße - bauchig, elegant hochgewachsen oder flach ausladend beeindrucken sie mit ihrer farbigen Glasur, die zum sanften Darüberstreichen verlockt. Samtig, leicht erhaben, wie raue Haut gebrochen fühlen sich die in Naturtönen gehaltenen Oberflächen an. An jeder hat Sieglinde Bösl geknobelt, getüftelt und immer wieder herumprobiert, um sie zu perfektionieren, so wie an ihrer neuesten Errungenschaft, einer sich durch unzählige kleine schwarze Punkte erhaben anfühlende Glasur, die der Haut eines Rochen gleicht. Vor einiger Zeit strich sie auf einer Messe über einen Tisch, der mit getrockneter Rochenhaut überspannt war, und war von diesem Augenblick an versessen darauf, diese Optik auch bei ihrer Keramik einzusetzen.

Auf und Ab

Wer so hartnäckig an einer Sache arbeitet, muss auch bereit sein, Niederschläge hinzunehmen. Man hat nur einen Versuch, denn passt die Zusammensetzung für die Glasur nicht, ist das ganze Objekt nicht mehr zu gebrauchen. “Man hebt in diesem Metier schwer ab, denn man kommt bei aller Kreativität schnell auf den Boden der Tatsachen zurück”, bekennt Sieglinde Bösl mit wissenden Lächeln. Das Auf und Ab gehöre eben dazu. Davon kann sie in 30 Werkstattjahren - 20 davon auf dem eigenen denkmalgeschützten Hof in Essfeld - ein Lied singen. “Gute Keramik sollte Qualität für alle Sinne sein” lautet ihre Devise. 

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