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Meine kleine Theater-Lebenshilfe

Buchtipp von C. Bernd Sucher

Das Theater schlägt sich ja schon immer mit gewichtigen Themen herum. Schuld und Sühne, Liebe und Betrug, Mord und Totschlag. Bei den alten Griechen finden wir zum Beispiel Stücke über die Unausweichlichkeit des Schicksals wie in „Ödipus“, Goethes „Faust “ behandelt Themen wie die menschliche Sehnsucht.

Viele Theaterstücke sehen sich wie Kommentare über das menschliche Leben und Leiden an, denn in der Kunst, wie es scheint, versuchte der Mensch in allen Epochen seine eigene Menschlichkeit zu begreifen, was macht uns zu Menschen, was macht uns gut, was böse? Gibt es Gut und Böse? Und was ist die „Moral von der Geschicht´ “?

Von Schiller zum Beispiel wissen wir, dass er das Theater an sich als eine Stätte der Erziehung sah, ein Theaterstück hatte also die Aufgabe das Publikum moralisch zu belehren. Und damit war er keinesfalls der Erste, denn schon Aristoteles Theatertheorie ist eine Anleitung dazu wie genau man in einem Stück die richtige Reaktion im Publikum erzielt. Wie man es zu Mitleid anregt und zum besseren Handeln.

Möchte man bei moderneren Autoren mit ähnlichem Ansatz finden, stößt man leicht auf Brecht, der mit seinem „Epischen Theater“ seine ganz eigene Theorie von Drama und seiner Wirkung hatte. Diese ist zwar schon zu Lebzeiten nicht so recht aufgegangen, aber die Stücke die dabei heraus gekommen sind gehören zu den bekanntesten der deutschsprachigen Theaterwelt.

Heute genießen wir die Inszenierungen großer Theatergötter eher als eine etwas intellektuellere Form der Unterhaltung, ob sie uns belehrt oder belehren sollte, diese Frage stellt sich wohl kaum einer. Einer hat dies aber doch getan. C. Bernd Sucher, Germanist, Theaterwissenschaftler, Redakteur, Autor und leidenschaftlicher Zuschauer.

In „Meine kleine Theater-Lebenshilfe“ hat sich Sucher mal mit damit auseinander gesetzt wie und ob wir denn in der heutigen Welt noch etwas lernen können aus all dem was das Theater uns so bietet. Viele große und bekannte Geschichten, die auf den Bühnen dieser Welt wieder und wieder gespielt werden, hat er unter die Lupe genommen und auf ihre Haltbarkeit und Aktualität geprüft. Er kommt dabei zu verschiedenen Ergebnissen. Manchmal liegt die Erkenntnis auf der Hand zum Beispiel im Kapitel Rache.

Rache ist ein wundervoller Grund um tolle Stories überhaupt in Gang zu bekommen, aber im echten Leben sollte man sich hüten sie als Motiv zu verwenden. Und rachsüchtigen Menschen möglichst wenig Angriffsfläche bieten. Aber das Theater hält auch etwas zum Lernen bereit was weniger großformatig ist. C. Bernd Sucher findet genauso Antworten auf Fragen zu Alkoholmissbrauch (übermäßiger ist nie gut), Einladungen (welchen sollte man folgen, welchen nicht), Lügen (Notlügen sind okay?), Rauchen (nicht gesund aber cool), Autopannen (Vorsicht beim Hilfe holen!) oder Sex (kann auch ziemlich öde sein) und vielem mehr.

Sucher, der auch am Prinzregententheater München Leiter des Studiengangs Theater-, Film- und Fernsehkritik ist, gelingt mit seiner kleinen „Lebenshilfe“ ein wunderbares Buch das zum Schmunzeln anregt. Theaterfreunde können all ihre Lieblingsstücke noch mal Revue passieren lassen, in alle Ecken beleuchten und sich fragen: „Und was lernen wir daraus?“

INFO: „Meine kleine Theater-Lebenshilfe“ von C. Bernd Sucher ist beim Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen. ISBN 978-3-423-24907-2

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