Der Verlag hinter Leporello und Leporellino
Jahreswechsel in Afrika
Zwölf Schauspieler des Ensembles
C.I.T.O. Theater in
Burkina Faso fusionierten Ende
Dezember bei einem Workshop
unter Leitung von Schauspieldirektor
Bernhard Stengele in Ouagodougou
mit zwölf Darstellern
des Mainfranken Theaters. Schon
bei den ersten Szenen der Produktion
„Les funérailles du désert“
ging es, so Stengele, thematisch
„ums Eingemachte“. Was zum
Beispiel würde passieren, wenn
ein burkinischer Mann den Eltern
seinen Freund vorstellen und
erklären würde, er möchte ihn
gerne heiraten?
Das Thema „Familie“ steht im Mittelpunkt der zweisprachigen, interkulturellen Theaterkooperation, die der „Fonds Wanderlust“ des Bundes mit 150.000 Euro unterstützt. Im Laufe des Workshops wurde rasch klar, dass „Familie“ in Deutschland ganz anders funktioniert als in Burkina Faso. „Homosexualität zum Beispiel wird dort tabuisiert, sie kommt schlicht nicht vor“, sagt Stengele. Bekennt sich etwa eine Tochter dennoch zu ihrer Freundin, läuft sie Gefahr, von den Eltern, den Geschwistern und der gesamten übrigen Verwandtschaft verstoßen zu werden - was ihrem sozialen Tod gleichkommt.
Wie dieses Verhalten zu bewerten ist, darüber wurde in der Gruppe lebhaft und äußerst kontrovers diskutiert. Das Thema selbst kam interessanterweise vom burkinischen Autor Paul Zoungrana, also nicht von deutscher Seite auf. Was in Burkina Faso einstudiert wurde, Ende Mai in Würzburg fortzusetzen, bedeutet laut Stengele eine gewaltige Herausforderung: „Die Bedingungen sind völlig unterschiedlich.“ In Burkina Faso wurde zum Teil in einer Hütte, zum Teil im C.I.T.O-Freilufttheater geprobt. Also nicht in einem abgeschirmten Haus. Und mit minimaler Technik.




