Der Verlag hinter Leporello und Leporellino
Die M&Ms der Kabarettszene

Auf meine Frage, wer denn die Entdeckung der letzten 25 Jahre im Bockshorn Theater war, antwortete mir Theaterprinzipal Mathias Repiscus: „Die Moni“.
Monika und Mathias Repiscus feiern 2011 25 Jahre Partnerschaft, privat wie geschäftlich. „Das war schon eine gute Entdeckung“, so Mathias Repiscus, „ich weiß nicht, ob eine andere Frau das alles mitgemacht hätte!“ In den Anfangsjahren in Sommerhausen war Moni Repiscus Mädchen für alles: “Ich habe geputzt, plakatiert, Thekendienst geschoben und Vereinbarungen mit den Künstlern getroffen, in der Regel per Telefon oder per Handschlag,“ erinnert sich der gute Geist des Bockshorns an die 1990er Jahre zurück.
Moni war Anfang 20 und fasziniert von der Künstlerwelt, in die sie an der Seite von Mathias Repiscus eintauchte. „Die „Ratschkathl“ (Münchner Kabarettistin Maria Peschek) sagte immer zu meinem Mann, grüß mir deine minderjährige Freundin.“ 13 Jahre später haben Moni und Mathias Repiscus geheiratet und sind bis heute glücklich miteinander – im Leben wie im Theater. „Auch das ist eine große Kunst“, wirft Mathias Repiscus ein, 24 Stunden gut miteinander auszukommen, 25 Jahre lang!“
17 Jahre (von 1984 bis
2001) war das Bockshorn Theater
im jetzigen Theater Sommerhaus
in Sommerhausen beherbergt,
bis eine Anfrage der Stadt Würzburg
kam, das bereits projektierte
Theater im Kulturspeicher zu
übernehmen, autonom wohlgemerkt.
Von Anfang an war es eine
Kabarettbühne, die sich nur mit
den besten Künstlern zufriedengab
und sich damit einen Ruf in
ganz Deutschland machte.
Entdeckungen von Mathias Repiscus (außer der Moni) waren Urban Priol , Michael Mittermeier, Mathias Tretter und Viva Voce, um nur einige herauszugreifen. Oder auch ein Markus Westendorf, der - heute Stadtgrafiker - immer noch das satirische Monatsblatt im Bockshornprogrammheft bestreitet. „Urban kennen wir so lange, wie auch Mathias und ich uns kennen“, lacht Monika Repiscus und erinnert sich an die erste Begegnung mit ihm.
Damals noch Student in Würzburg schneite Priol ins Bockshorn und wollte sich beim „Repiscus“, von dem er gehört hatte, vorstellen. Dieser, außer mit der Theaterarbeit, damals auch noch mit der Gastronomie im Sommerhäuser Refugium beschäftigt, ging nicht unbedingt freudestrahlend auf Priol zu. „Urban sagt immer, ich wäre ihm ziemlich griesgrämig begegnet bei unserem ersten Gespräch“, so Repiscus schmunzelnd. Nichtsdestotrotz Qualität setzt sich durch und wird erkannt und so gelangte Urban Priol schnell auf die Bühne des Bockshorns und in das hauseigene Ensemble, das leider nicht lange Bestand hatte (Abwerbung Priols durch das Düsseldorfer Kom(m)ödchen), jedoch als Projekt für die Freilichtspiele in Aub 2012 eventuell wieder neu erstehen soll - dann jedoch in anderer Besetzung.
Die Freilichtspiele
feiern nächstes Jahr Fünfjähriges.
Eine Entdeckung hatte Mathias
Repiscus nicht gemacht:
„Da stellte sich als Nachfolger
Priols ein junger Mann in Lederhosen
mit kariertem Hemd und
Hüdli vor (damals Journalist in
Würzburg). Zweifellos erkannte
ich, der hat Talent! Aber es hat
mir einfach nicht gefallen, was
er machte, es war so bieder, so
fränkisch…. Und zu dem Zeitpunkt
war er für mich nicht der
Mann, der Urban Priols Nachfolge
antreten sollte.“ Die Rede
ist von Frank-Markus Barwasser
alias Pelzig, der ja trotzdem seinen
Weg gemacht hat (ZDF-Sendungen
„Neues aus der Anstalt“
und „Pelzig unterhält sich“). Und
dass sich Barwasser und Repiscus
heute gegenseitig sehr wertschätzen,
sieht man nicht zuletzt daran,
dass Pelzig den Kulturpreis
der Stadt 2002 im Bockshorn entgegennahm,
an dem Ort, wo damals
für ihn nicht alles begann.
Mathias Repiscus hat sich dem Kabarett verschrieben, weil er am Puls der Zeit sein wollte, daher ist es ihm bis heute wichtig, neuen Stars in den Kabaretthimmel zu helfen. Der 2002 gegründete Förderverein (damals 40 Mitglieder, heute 700) unterstützt ihn dabei, heuer bereits im sechsten Jahr, das Newstarfestival zu veranstalten. Eine Entdeckung, die daraus hervorkam, war beispielsweise Tobias Mann. Andere Wege, als andere zu gehen, das zeichnet Monika und Mathias Repiscus aus und das zeichnet auch für den Erfolg der beiden und ihres Theaters verantwortlich.
Stücke wie die Erstaufführung des Theaterstücks „Auguste D.“ über eine Alzheimerpatientin – auch so etwas nimmt das Theaterpaar bisweilen ins Programm, weil es sie interessiert, „auch wenn es finanziell nicht lukrativ ist, solche Wege zu gehen.“ „Auguste D.“ mit der wunderbaren Jutta Eckhardt (am Mainfranken Theater damals in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ zu sehen) wurde außer im Bockshorn noch zweimal an den Städtischen Bühnen Frankfurts mit herausragenden Kritiken aufgeführt – nennenswert, wenn man bedenkt, dass Chefkritiker Marcel Reich-Ranicki im Publikum saß! Moni und Mathias Repiscus mögen Schubladendenken nicht und das gilt nicht nur für die Theaterarbeit: „Es gibt Leute, die gehen nur ins Theater und welche die gehen nur ins Kabarett, die Grenze zu überschreiten, scheint schwierig,“ resümiert Mathias Repiscus.
Für ihn und seine Frau zum Glück nicht, denn auch in Zukunft wird das ein oder andere ambitionierte ungewöhnliche Kabinettstückchen, das kein Kabarett ist, auf der Bockshornbühne (heuer zehn Jahre im Kulturspeicher) zu sehen sein. Und auch im Herbst überschreitet Mathias Repiscus wieder Genregrenzen, wenn er mit „Viva Voce“ (Musikformation mit 80 Prozent eigenen Titeln) ein neu erarbeitetes Programm auf hohem Niveau vorstellt.
25 Jahre Bockshorn und kein bisschen leise! Herzlichen Glückwunsch und toi, toi toi für alles, was noch kommen mag!
INFO: Lange Kabarett-Nacht am 28. Mai um 21.30 Uhr im Theater Bockhorn Würzburg: "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da, so der Titel des Abends. Zugegeben, der Titel ist ein Plagiat, aber die Idee, diese Doppelveranstaltung als Nachtprogramm anzubieten, finden Monika und Mathias Repiscus durchaus originell. Schon deshalb, weil das Programm von „Unsere Lieblinge“ mit "Nacht" betitelt ist und weil das Thema "Halbe Stunde / 60 Euro" von Ruth Schiffer ausgesprochen "nachtträchtig" ist. Daher dürfen Nachtschwärmer versichert sein, dass es mehr als zwei gute Gründe gibt, sich wieder einmal ins Bockshorn jagen zu lassen.




