kunstvoll verlag Der Verlag hinter Leporello und Leporellino

Degenkämpfe & Zeitmaschinen

Sommerspiele in der Region

von Manfred Plagens (erschienen in Ausgabe 7-9/2010)

Wie verbringt man einen lauen Sommerabend oder Sommertag in und um Würzburg am schönsten? Eine Möglichkeit ist der Besuch einer Freilichtbühne. Im Würzburger Efeuhof spielt das Theater Ensemble noch bis zum 25. Juli (Sa/So, jeweils 15 Uhr) für die kleinen Zuschauer „Eine Woche voller Samstage“, den Kinderstückklassiker von Paul Maar. Ab Mitte August folgt für die größeren Zuschauer die Komödie „Es war die Lerche….“ von Ephraim Kishon. Was wäre geschehen, wenn Julia und Romeo nicht ihren tragischen Tod gefunden hätten und die beiden 29 Jahre später noch in Verona lebten? Genau diese Geschichte erzählt Kishon in seiner Satire und selbst das bekannteste Liebespaar der Weltgeschichte bleibt nicht von den täglichen Streitereien des Ehealltags verschont… An der zweiten Sommerspielstätte des Theater Ensembles, der Sommerbühne im Grünen, gelangen in diesem Jahr Bertolt Brechts Erstlingswerk „Baal“ und William Shakespeares Komödie „Was Ihr Wollt“ zur Aufführung. Während Baal raus aus der Gesellschaft will und mit seinem Dichterfreund Ekart auf der Straße und in Kneipen lebt, lebenshungrig und voller Sehnsucht, werden bei „Was Ihr Wollt“ durch einen Schiffbruch Viola von ihrem Zwillingsbruder Sebastian, der ihr täuschend ähnlich sieht, getrennt. Um Gefahren zu entgehen, kleidet sie sich in Männertracht und nimmt unter dem Namen Cesario Dienste bei dem Herzog Orsino von Illyrien… Falls das Wetter doch einmal nicht so schön sein sollte, bieten das Würzburger Theater Chambinzky und Werkstattbühne ein Sommerprogramm im Innern ihrer Häusern an. „Sextett“, eine Komödie von Michael Pertwee, steht noch bis Mitte August auf dem Chambinzky- Spielplan. Die Komödie erzählt eine verrückte Geschichte von sechs Personen, die sich auf einer Yacht zusammengefunden haben, um vor der französischen Mittelmeerküste den englischen Alltag zu vergessen und den Versuch eines gemeinsamen Urlaubs zu starten...was natürlich mit allerlei Verwicklungen und Komplikationen verbunden ist. In der Werkstattbühne heißt es bei der Dadaismus-Revue „Siehe: DaDa“ noch bis Ende Juli „1 Dadabend = Chaos + 7 Erdumdrehungen + Tandaradei!“. Bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall auf der großen Freitreppe und im Haller Globe Theatre steht in dieser Saison der Musicalklassiker „My Fair Lady“ auf dem Programm. Jeder kennt sie, die Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle und des Sprachprofessors Henry Higgins: Für ein wissenschaftliches Experiment nimmt der exzentrische Professor die ungebildete Eliza unter seine Fittiche. Lieder wie „Ich hätt getanzt heut‘ Nacht“, „Es grünt so grün“ sind Welt- Evergreens geworden, die Verfilmung von 1964 mit Audrey Hepburn ein unvergessener Klassiker. Es folgt Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ – die Komödie um ein Gruppe Handwerker, Feen, Faune, Elfen und Eselköpfe ist verträumt, bunt, munter, kurzweilig, witzig, ein bisschen frech, hintergründig, handfest und voller Spielfreude. Tragischer geht es bei „Der Besuch der alten Dame“ zu. Die tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt erzählt die Geschichte der kleinen Stadt Güllen, die unter akutem Finanznotstand leidet. Aber das ist nun auch gar nicht mehr so wichtig, denn Claire Zachanassian, die weltberühmte Milliardärin und berühmteste Tochter der Stadt, hat ihren Besuch angekündigt. Der Inhaber eines Krämerladens, Ill, ihr damaliger Liebhaber, hat die Aufgabe, die reiche Dame zu einer finanziellen Unterstützung zu überreden… Im „Haller Globe Theatre“ heißt es hingegen mit William Shakespeare „Wie es Euch gefällt“ - seit Herzog Frederick seinen älteren Bruder, den rechtmäßigen Herrscher, in den Ardenner Wald vertrieben hat, herrschen am Hof Eigennutz, Selbstsucht und Ungerechtigkeit, während im Wald die adligen Tugenden gepflegt werden. Hier wird philosophiert, hier finden sich die Liebespaare, findet man Seelenfrieden und das „kleine Glück“… Die Calderón-Spiele des Bamberger Theaters zeigen der zweiten Julihälfte „Die drei Musketiere“. Die Inszenierung in der Alten Hofhaltung bietet alles auf, was ein großes Mantel-und- Degen-Drama braucht: barocken Prunk und hinterhältige Intrigen, klirrende Degen und atemberaubende Bühnenkämpfe, geheimnisumwitterte Frauen und gefährliche Leidenschaften. „Einer für alle, alle für einen“ heißt es, wenn der junge D’Artagnan und seine drei Freunde gegen den zwielichtigen Kardinal Richelieu antreten, der die Macht in Frankreich an sich reißen will. Das Freilandtheater Bad Windsheim zeigt das Familienstück „Der Zeitmechaniker“. Erzählt wird eine spannende Geschichte um zwei Zeitreisende aus dem 18. Jahrhundert, die sich unversehens im Jahr 1963 wieder finden. Der junge Freiherr Alexander von Aisch und die Bäckerstochter Cordula Strifler sind durch ein missglücktes Experiment aus dem Jahr 1780 fast zweihundert Jahre durch die Zeit katapultiert worden — und finden sich in einer Telefonzelle wieder… Das Maintal-Theater bietet auf der schwimmenden Bühne im Main in Laudenbach die himmlische Musicalkomödie „Non(n)sens“ dar - fünf Nonnen zeigen ihre mitreißende Show auf der Flussbühne, um mit einem Wohltätigkeitsabend das Begräbnis ihrer Mitschwestern zu finanzieren… Nicht auf einem Fluss, dafür aber im „Englischen Garten“ von Meiningen zeigt das Meininger Theater in diesem Jahr zwei Freilichtproduktionen. Zum einen ist dies Shakespeares „Sommernachtstraum“, zum anderen die Operette „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller. Das heitere Verwirrspiel um Liebe, Eifersucht und Bestechlichkeit spielt im Rheinland, bringt aber mit dem Vogelhändler Adam aus Tirol alpenländische Folklore auf die Bühne. Zellers Melodien wie "Grüß` euch Gott, alle miteinander", "Ich bin die Christel von der Post" oder "Schenkt man sich Rosen in Tirol" sind wahre Klassiker geworden. Schließlich beschließen wir unsere Freilichttournee in Giebelstadt. An drei Wochenenden Ende Juli heißt es bei den Florian-Geyer-Spielen wieder „Willkommen im Bauernkrieg! - Wer muckt, der stirbt!“ Florian Geyer, der Rebell und Ritter aus Giebelstadt verschreibt sich der Sache der Bauern. Er setzt sich im Bauernkrieg an ihre Spitze und scheitert mit ihnen in der blutigen Auseinandersetzung mit dem Feudalstand. Die Ruine des Geyer Stammschlosses bildet für die Freilichtspiele eine beeindruckende Kulisse für das aktionsreiche dramatische Geschehen.

INFO:
www.theater-ensemble.net, www.chambinzky.com, www.werkstattbuehne. com, www.freilichtspiele-hall.de, www.theater-bamberg.de, www.freilandtheater.de, www.maintal-theater.de, www.das-meininger-theater.de, www.florian-geyer-spiele.de

Bildnachweis: E.T.A.-Hoffmann Theater, Maintal Theater, Meininger Theater, Florian-Geyer-Festspiele, Falk von Traubenberg

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