Der Verlag hinter Leporello und Leporellino
Seelenklempnerei…
Wer träumte nicht schon mal
von einer Karriere beim
Film, von Glamour, tollen Partys
…? Die Realität sieht anders
aus. Besichtigen können dies die
amüsierten Zuschauer im Theater
Sommerhaus in der Komödie
„Beim Film müsste man sein …“
von Neil Simon. Sie blicken auf eine
Wohnwagen-Idylle, schlampig,
improvisiert, mit ein paar Orangen-
und Zitronenbäumchen im
Außenbereich „aufgehübscht“.
Dort in Hollywood, abseits vom großen Rummel, lebt Herb Tucker, Drehbuchautor, aber nicht auf der Erfolgsspur. Es fällt ihm einfach nichts ein. Selbstmitleid, Scheinbeschäftigungen, Schlaflosigkeit und Katerstimmung sind die Folge. Die einzige, die unverbrüchlich zu ihm hält, ist Freundin Steffi, Maskenbildnerin beim Film, eine echte „Seelenklempnerin“, mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen.
Denn dass Herb wenig produktiv ist, dass er sich nicht binden will, schreckt sie nicht ab von ihrer Liebe. In diesen scheinbaren Frieden bricht plötzlich Herbs Tochter Libby ein, mit Rucksack und Bergstiefeln, unerschrocken, wild entschlossen, als Schauspielerin beim Film anzufangen. Sie glaubt, ihr Vater, der schon vor Jahren seine Familie verlassen hatte, könne ihr dabei helfen. Doch der kann sich selber nicht helfen.
In dem nun entstandenen gefühlsmäßigen Durcheinander kommen sich Vater und Tochter immer näher und schließlich zur Erkenntnis, dass beide ihre verborgenen Ängste ständig kaschieren. Das befreit. Das kurzweilige Stück mit seinen witzigen Dialogen wurde von Luise Weber pointenreich in Szene gesetzt. Da gibt es unerwartete Unterhaltungen durchs Klofenster, die Klospülung rauscht zu romantischen Schilderungen und als Libby das „Regiment“ im Behelfs-Heim ihres Vaters übernimmt, stehen Alpenveilchen auf dem Tisch.
Alles aber lebt von den drei hervorragenden Akteuren. Brigitte Obermeier ist als verständnisvolle, warmherzige Steffi zugleich überlegen wie auch betroffen. Dass sie es mit Herb so lange aushält, ist ein Wunder. Denn Horst Kiss zeigt sich in dieser Rolle als wortgewandter Nichtstuer, freundlich jungenhafter Typ und hypochondrisch Leidender. In der ungewohnten Vaterrolle wirkt er hoffnungslos überfordert; vor allem die „Bewachung“ seiner Tochter treibt ihn zur Verzweiflung.
Mascha Obermeier aber als Libby möchte man einfach knuddeln, so natürlich, frech, frisch, vorwitzig und schlagfertig zeichnet sie das vom Filmgeschäft und Vaternöten völlig ahnungslose Mädchen. Lächelnd, verstrubbelt und mit sprechender Mimik verfolgt sie zäh ihre Ziele und gewinnt schließlich die Liebe ihres Vaters. Der verliert dadurch seine Schreibhemmung und sie gibt ihre Filmpläne auf.
Langer Beifall für diese vergnügliche, ein wenig nachdenklich stimmende Inszenierung!
INFO: www.theater-sommerhaus.de




